Beiträge mit dem Schlagwort: Trekking Chile

3 Wochen Chile: Atacamawüste – der schönste Sonnenuntergang der Welt

Wenn ich jetzt zurückblicke, versetzt es mich immer noch in Erstaunen, was wir alles in den 4 Tagen in der Atacmawüste erlebt haben. Unglaublich. Aber daran sieht man, wie vielseitig die Atacama und wie abwechslungsreich Chile im Ganzen ist. Und wie fantastisch, wundervoll, atemberaubend schön. Kann es nicht oft genug sagen!

Ich schreibe hier den vorletzten Post meines Reiseberichts. Man könnte meinen, das wars jetzt, was die Atacama zu bieten hat. Von wegen. 1 1/2 Tage vor dem Rückflug nach Santiago de Chile erwartete uns noch mehr als ein Abenteuer: Eine schwindeleregende Busfahrt, eine Wanderung durch die Guatinschlucht zu den heißen Thermalquellen von Puritama auf 3.700 m, eine Wanderung durch das Val del muerte und Val del luna , der wohl spektakulärste Sonnenuntergang meines bisherigen Lebens.

Hier seht ihr ein Bild unserer Adrenalinfahrt. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt 😉

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In der Atacama wird es mittags ziemlich heiß. Und auch am vorletzten Tag regte sich in mir ein innerer Widerstand gegen die bevorstehende Wanderung in der Guatinschlucht. Aber wie immer, wich er einer Aufbruchsstimmung, sobald wir die ersten 20 Meter hinter uns gebracht hatten. Und wie schon in den vorangegangenen Tagen in der Atacama waren wir alle sprachlos, als wir am knochentrockenen Straßenrand hielten und kurze Zeit später in eine immer grüner werdende Schlucht, in der ein wilder Fluß gurgelte und gluckerte, hinabstiegen.

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In der Schlucht war es angenehm schattig und wir schritten munter und flott voran. Staunten über die Vegetation und Blumen, die man so nicht erwartet hatte.

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Die Riesenkakteen, die den Weg säumten, regten wundersamerweise unsere Fantasie an, giggelnd entdeckten wir Hasen, Riesenpimmel und was die Gruppendynamik so alles hergibt. Oder was sehr ihr?

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Am Ausgang der Schlucht erwartete uns dann eins der zahlreichen Paradiese, die Chile zu bieten hat. Die Puritama-Thermalwasser. Überglücklich tobten wir ausgelassen wie die Teenager im warmen Wasser herum.

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Nach einer müßigen Lümmelstunde in der Sonne und einem beinharten Aufstieg aus der Schlucht zum Bus *schwitz* teilte uns Fritz lächelnd mit, dass wir nun zum absoluten Highlight der Reise aufbrechen würden: Dem Sonnenuntergang im Val de la luna. Wir mussten bei dieser Ankündigung fast schon müde lächeln. Wo, bitte schön sollte denn noch ein Highlight herkommen, dass die bisherigen toppen könnte? Es kam. Zunächst aber durften wir zu Fuß die großartigen Salzformationen des Val del muerte, dem Tal des Todes, und die mondähnliche Oberfläche des Val de la luna, dem Tal des Mondes, erkunden. Ausgerechnet im Val de la luna ging unser Bus kaputt, so dass es zu einer längeren Spontanwanderung kam. UNd einer kollektiven Urangst, im Mondtal elendig zu verdursten und erst Jahre später mumifiziert gefunden zu werden. Zum Glück sind die chilenischen Busfahrer hervorragende Mechaniker!

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Tja, ihr Lieben, und dann kam es, das absolute Highlight. Nachdem wir uns nach einem harten Marsch und Aufstieg die Poleposition zum Sonnenuntergangschauen gesichert hatten, ein paar gut gelaunte Fotos schossen und den Blick schweifen ließen, begann das Farbenschauspiel des weltberühmten Atacama-Sonnenuntergangs. So schön, dass es einem fast schon in den Augen wehtat. Aber schaut einfach selbst!

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3 Wochen Chile: 100 nackte Russen

Wir sind immer noch in der Atacamawüste. Der Wüste der Extreme. In der unglaublich vielseitigen, faszinierenden, wunderschönen Atacamawüste, in der jeder Augenblick eine neue Facette offenbart und man nicht aus dem Staunen herauskommt. In der Atacama, die die trockenste und dann plötzlich wieder die grünste, wasserreichste Wüste ist, in der es Oasen gibt, warme Quellen, ausgetrocknete Todeszonen, Dünen, Lamas, Wasservögel, Kakteen und Salzseen, die ganz und gar ausgetrocknet sind und dann wieder Wasser haben, in dem man leicht wie eine Feder auf dem Rücken treiben kann. Die Atacama. Und da wir gerade von dem „Jeder Tag ein neues Wunder“-Ding sprechen, es gibt dort auch Geysire. Nicht etwa irgendwelche Geysire, sondern die Geysire El Tatio auf 4.200 m Höhe, die ihre Fontänen nur zu Sonnenaufgang in die Höhe spritzen. Jeden Tag. Ja, solche Sachen gibt es. Und ich durfte das erleben. Glückskind, ich altes 🙂

Um  3 Uhr in der Früh erklang der Weckruf und 5 Minuten später saßen 18 todmüde, wortkarge Deutsche+1 österreichischer Reiseführer im Reisebus. Dick verpackt. Von unserem Reiseleiter wussten wir, dass uns „da oben“ Minusgrad-Temperaturen erwarten würden. Eine echte Extremtour. 4.200 m Höhenmeter und Minustemperaturen. Fritz mahnte uns an, die Sache langsam anzugehen, draußen langsam zu gehen und sich ein wenig Zeit zu lassen, sich an Höhe und Temperatur anzupassen. Sag das mal 17 abenteuergeilen Touris 😉 Kaum öffnete der Bus seine Türen, stürzten 17 abenteuerwütige Menschen nach draußen.

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Wow, dachte ich 2 Minuten später. Mir ist ja mal ganz komisch. Eingepackt wie ein Michelinmännchen mit Stirnband, Mütze und Kapuze drüber lief ich draußen ein wenig umher und hatte das schwindelige Gefühl, auf dem Mond zu sein, kaum von der Stelle zu kommen und nur begrenzt atmen zu können. Und kalt war das.  Alter Schwede, war das kalt. Wir staksten ein wenig umher, und dann kam ein winzig kleines Sonne über einen der Berggipfel. Der Sonnenuntergang kündigte sich an. Ganz zart.

 

 

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Und sofort stürzten gefühlte mehrere Hundert Touris aus aller Welt aus den anderen Reisebussen und strömten über die Ebene. War aber nicht schlimm, wir waren ja auch Teil davon! Und dann, liebe Leute, ging es los. Der Wahnsinn. Der absolute Wahnsinn! Aus allen Löchern und Ecken und Enden explodierte die Erde!

 

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Reichlich durchgefroren, aber ganz und gar glücklich trafen wir uns nach einem ausgiebigen Geysir-Check zum Frühstück am Bus wieder. Ihr glaubt gar nicht, WIE gut eine heiße Schokolade schmecken kann. Saugut. Das Frühstücksprogramm hatten übrigens alle Reisegruppen auf dem Plan und man konnte hier ein wenig Nationalitäten-Forschung betreiben. Auffällig waren die Russen. Es war eine sehr große Gruppe. Und alle sangen. Und klopften sich dabei auf die Schultern. Wie in einem Film. Voll das Klischee. So lustig. Irgendwie ein sympathisches Völkchen auf Reisen. Kurze Zeit später trafen wir sie wieder. An den heißen Thermalquellen. Wo sie alkoholisiert und bester Laune unter Abgesang heiterer Lieder umhertollten. Die russische Volksseele 😉

 

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3 Wochen Chile: Atacama – 1 Wüste, Tausend Gesichter

Wer denkt, eine Wüste ist eine Wüste ist eine Wüste, der kennt die Wüste nicht. Ich kannte sie vorher auch nicht. Auch wenn meine persönliche Reise-Weltkarte nicht mehr allzu viele dunkle Flecken hat, wüstenmäßig war ich bislang ein unbeflecktes Blatt. Durch die gängigen Reise-Vorabinfos wusste ich, dass die Atacama die trockenste Wüste der Welt ist und darüber hinaus auch ziemlich rot und dass es dort diesen riesigen Salzsee gibt. Jou, und so halt. Einfach eine riesige, trockene, rote Wüste mit einem gigantischen Salzsee mittendrin.

Noch nicht oft im Leben wurde Frau Katerwolf derart eines Besseren belehrt. Es begann schon mit der Anfahrt vom Flughafen nach San Pedro de Atacama. Verdächtig schnell preschte der Reisebus über die stockdunkle Wüstenstraße, wir, die Insassen saßen halb müde, halb, dank des waghalsigen Tempos, voller dunkler Todesahnungen. Irgendwo mitten in der Wüste hielt der Bus. Fritz, der beste aller Reiseleiter, forderte uns voller Tatendrang auf, auszusteigen. Zieht euch warm an, sagte er. Warm, wieso, ist doch Wüste? Ihr werdet sehen. Na gut. 10 Sekunden später standen wir bibbernd in frostiger Kälte am Straßenrand und hatten Fantasien nach heißer Badewanne und Kaminofen. Die Wüste ist nachts nämlich arschkalt. Aber die Kälte wich ganz schnell einer ungeahnten Begeisterung, als Fritz unseren Blick gen Himmel lenkte. Dorthin, wo derart viele Sterne waren, dass man fast schon blinzeln musste. Unfassbar. Noch nie, nie, nie vorher so viele Sterne gesehen. Und die Milchstraße erst. Wow. Restlos begeistert.

Als wir nach einer weiteren Stunde endlich in San Pedro de Atacama ankamen, waren alle froh, dass sie noch lebten. Außerdem war es in dem Städtchen deutlich wärmer.  Wir checkten ein und gingen zu vorgerückter Stunde zusammen zum nächsten Laden, um Wasser, Wein etc. einzukaufen. Was für eine coole Stadt, war unser erster Gedanke. man fühlt sich wie im Wilden Westen. Oder besser noch: Wie in einer Oase im wilden Westen. Und genau das ist San Pedro auch: eine Oase. In der sich ein ziemlich ilustres Völkchen versammelt hat. Indios und jede Menge ausgestiegene Flower-Power-Kinder und sonstige bunte Vögel.

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So ganz habe ich es immer noch nicht verdaut. Dass es in der trockensten Wüste der Welt so viel Wasser und Grün gibt. Und gleichzeitig eine fast schon unvorstellbare Trockenheit. Fährt man verschiedene Stationen der Atacama ab, wechseln sich eine knochentrockene, lebensfeindliche Landschaft mit grünen Oasen ab, in denen Feigenbäume wachsen. Der Oasen gibt es nicht viele. Aber es gibt sie. Es gibt in der Atacama auch Geysire, heiße Quellen in fast schon tropischem Dschungelambiente, aber dazu später. An unserem ersten Tag in der Atacama, nachdem wir alle begeistert und endlich in Sommerklamotten (YES!) die Straße auf und ab gelaufen waren, ging es zu unserem ersten Tagesausflug. Auf dem Plan standen die Oase Quebrada de Jerez und die weltberühmte Salar de Atacama. Mit großen Augen starrten wir durch das Busfenster eine Landschaft an, die wir tags zuvor nur im Dunklen gesehen hatten. Also gar nicht. Jetzt sahen wir flaches, trockenes, steiniges Land, grenzenlose Weite auf der einen, Bergkulisse auf der anderen Seite. San Pedro de Atacama liegt auf ca. 1750 m und von dort aus geht es meistens nur noch höher hinauf. Bis auf 4200 Meter, aber auch dazu später. Zunächst sahen wir flächendeckend dies:

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und im nächsten Augenblick das:

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Jo mei, was lugt den da aus dem Boden heraus? Ratlose Blicke im Bus in Richtung Fritz. Na, da vorne vor uns liegt die berühmte Oase Quebrada de Jerez, nichts wie raus aus dem Bus und runter in die Schlucht. Einige aus der Gruppe waren schon in diversen Oasen dieser Welt gewesen, für mich allerdings war es die erste. Oasenmäßig war ich bis dato jungfräulich. Während einige also eher abgebrüht durch die Oase stapften, raste ich umher wie ein Kind, das einem Zauberluftballon hinterherjagt. Ich bin jetzt offiziell Oasenfan.

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Es gab am Ausgang auch einen ziemlich abgefahrenen Friedhof.

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Sehr zufrieden stieg ich in den Bus ein und harrte des nächsten Abenteuers, der Salzwüste. Seit ich mich erinnern kann, träumte ich davon, einmal im Leben in der Salar de Atacama die Arme auszubreiten und zu sagen: Ich bin jetzt hier, juhuuu. Und davon, pinkfarbene Flamingos in Salzwasser herumdümpeln zu sehen. 30 Minuten später hatte ich beides. Und war so mit Endorphin vollgepumpt, dass ich mit meiner Begeisterung ein paar Mitreisende nervte. Mir egal. Meine Salzwüste, meine Flamingos.

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Man, man, man, das war schon ziemlich klasse, an diesem ersten Tag. Als wir am Nachmittag müde, glücklich und erhitzt nach San Pedro zurückkamen, strömten wir alle noch ein bisschen ins Städtchen aus und ich erstand auf dem Markt in euphorischer Post-Salar de Atacama-Stimmung eine hinreißende Alpacamütze. Diese und und unsere allgemein gute Stimmung bescherte uns einen wunderbar beschwipsten Tagesausklang 🙂

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3 Wochen Chile: Jurassic Park lebt

FAST hätte ich es vergessen: unsere fantastische Wanderung im Huerquehue-Nationalpark. Da hättet ihr aber mal was verpasst 😉 Diese Wanderung war nämlich die wundersamste, bezauberndste Wanderung, die ich je gemacht habe. Fast schon unwirklich war das! Und das lag nicht nur an einem der seltensten Bäume der Welt, der Aurakarie, die wir zu Gesicht bekommen sollten. Als wir am Morgen losfuhren, nieselte es ein bisschen vor sich hin und je höher wir mit dem Bus die Serpentinen hochfuhren, desto nebliger wurde es. Kurze Zeit später standen wir abmarschbereit auf dem nebligen Parkplatz und wunderten uns ein wenig über Fritz, unsern Reiseleiter, der uns  aufgekratzt gutgelaunt mitteilte, wir hätten totales Glück mit dem Wetter. Aha. Ungläubiges Starren seitens der Gruppe. Ja, wir hätten Glück, sagte er, denn normalerweise sei es hier brütend heiß und staubig, wahlweise regnerisch und batschig. Aber heute, tätääh, ja, heute, sei es neblig.

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Jawoll, neblig und das sei ein Wunder und Glück, wir würden schon sehen. Wir waren nach 2 Wochen Fritz Scherze gewohnt, aber diesmal wirkte seine Begeisterung authentisch. Erwartungsvoll stapften wir los. Mitten hinein in einen nebligen Dschungel.

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Es war Nebel, ja, aber ein Nebel, den wir in dieser Form nicht kannten. Wie Feenhaare zog er durch den Wald, verhüllte hier etwas vollständig und ließ es dort wieder auftauchen. Fasziniert blieben wir stehen. Immer wieder blieben wir stehen und staunten. Ich glaube, ich hatte bis dato noch nie so oft den Ausruf gehört:„Das gibt es doch nicht. Wie kann das sein. Das ist unglaublich. So etwas Unglaubliches! Schau nur da und da und da! Ohhh!“ Hätten uns irgendwelche Außerirdische beobachtet, hätten sie uns vermutlich für einen Haufen kompletter Idioten gehalten. Die Atmosphäre hatte etwas Unheimliches. Umgeben von gefühlte 100m hohen alten Baumriesen, Farnen, Bambus und diesen urzeitlich anmutenden Aurakieren – wir fühlten uns wie in Jurassic Park. Und machten Witze darüber, dass der Boden und die Pfützen beben, weil der T-Rex schon unterwegs sei. Haha, lustig, aber ob ihr es glaubt oder nicht: Ich drehte mich verdächtig oft um und zuckte bei jedem Knistern im Wald kräftig zusammen;-)

 

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Soll ich euch mal was sagen? Wenn ich mir jetzt die Bilder anschaue, dann zieht sich mein Herz zusammen wie eine Zitrone. So real sind die Erinnerungen noch und ich bin so glücklich, dass ich dort war und das erleben durfte. Und da man soviel Schönheit gar nicht in Worte fassen kann, lass ich euch einfach visuell in diese wunderbar mystische Welt des Huerquehue-Nationalparks im Nebel eintauchen. Und übernehme keine Garantie für akute Fernwehattacken und Herzschmerz 🙂

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3 Wochen Chile: Boogie-Woogie am Llanquihue

Die Überschrift musste jetzt einfach sein. Warum, erzähl ich euch gleich. Zunächst nehm ich euch aber nochmal mit auf die Weiterreise. Wie bereits gesagt, flogen wir am frühen Morgen weiter nach Puerto Montt und fuhren von dort mit dem Bus nach Puerto Varas, dem Eingangstor zur chilenischen Seenplatte, malerisch am See Llanquihue gelegen. Warum ich in Puerto Varas keine Fotos gemacht habe, weiß ich auch nicht so genau, vermutlich zu faul, aber ich kann euch sagen: Puerto Varas ist mit das schönste Städtchen, das ich (jetzt) kenne. Überall Holzhäuser, der Flair einer alten Siedlungsstadt und dann der Llanquihue. Was für ein prachtvoller See. Riesig. Der größte rein chilenische See. Man steht davor und denkt, das sei das Meer. Tatsächlich liegt in unmittelbarer Nähe der Pazifik, und das sorgte in der Gruppe mehr als einmal für Verwirrung: „Schau mal, der Pazifik! Wie toll!“ „Ja, vor allem, weil es der Llanquihue ist!“. Wahlweise: „Schau mal, wie toll der See ist!“ „“Ja, vor allem, weil es der Pazifik ist!“. Usw. Fritz, unser weltbester Reiseführer, ließ sich keine Gelegenheit entgehen, uns Kostproben seines leicht rabenschwarzen Humors zu präsentieren.

Kaum in Puerto Varas angekommen, ging es schon auf zur nächsten Wanderung, diesmal im Nationalpark Llanquihue. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, ich sei bekloppt, aber als wir erfuhren, dass die Wanderung „nur“ 5 Stunden dauerte, herrschte in der Gruppe eine völlig relaxte Stimmung. „Was, nur 5 Stunden? Easy. Komm schlag ein, brother!“ Das traumhaft schöne chilenische Seengebiet, übrigens die Region der ersten deutschen Besiedlung in Chile, ab Mitte des 19. Jahrhundert, gilt als die regenreichste Region Chiles. Aber es ist immerhin wärmer als in Patagonien. Also Maul halten. Auf der Fahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung zog eine tiefgrüne, dschungelartige Landschaft am Busfenster vorbei, hier und da ein Holzhaus, Blütenpracht, fruchtbar bis zum Abwinken alles. Wunderschön!

 

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Als wir aus dem Bus stiegen, herrschte eine ausgelassene Stimmung. Das ist das schöne, wenn man mit einer lustigen Gruppe unterwegs ist. Man hat oft das Gefühl, man ist auf Klassenfahrt, oder im Landschulheim und alle haben nur Quatsch im Kopf. So etwa:

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Aber wie kann es anders sein, bei so einem Reiseleiter:

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Dass heißt jetzt nicht, dass alle Gruppenreisen fröhlich sind. Unterwegs sind wir des Öfteren auf sehr, sehr unspaßige Gruppen gestoßen. Reisen ist ja auch eine ernste Angelegenheit, wo kämen wir denn da hin? Egal, wir jedenfalls hatten Spaß. Mal abgesehen von kleinen Ausfällen mitreisender Spaßbremsen („Für den Spruch musst du aber mal 5 € in die Machokasse zahlen!“ und ähnliches). Aber alles in allem war die Stimmung gut bis ausgelassen, wie man sieht. Wie die jungen Elfen bewältigten wir auch an diesem Tag beachtliche Höhenmeter, ohne zu murren, und stapften munter dem nächsten Gipfel entgegen.

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Und wenn man zwischendurch Anwandlungen in die Richtung „Könnte ja jetzt auch gemütlich irgendwo am Strand liegen. Bin ich bescheuert oder was?“ bekommt, kann man sicher sein, dass einem garantiert jemand begegnet, der noch bekloppter ist. So zum Beispiel eine Truppe Danger-Freaks, oder wie man sowas nennt, die mitten in der Pampa, in Neoprenanzügen und Helmen, Wasserfälle runterschliddert.

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Fast schon entspannt erreichten wir nach 3 Stunden Gekraxel den anvisierten Gipfel und futterten unseren sauber verdienten Mittagssnack. Gebt ihr mir Recht, dass sich das Gekraxel für so einen Ausblick gelohnt hat?

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Irgendjemand musste uns an dem Morgen was in Frühstück getan haben. Kanns mir nicht anders erklären, warum wir (fast) alle hoffnungslos albern waren an diesem Tag. Wie gesagt fast. Denn in jeder Gruppe gibt es lustige Menschen und die eine oder andere Spaßbremse. Wir hatten auch die eine oder andere dabei. Der dazugehörige Gesichtsausdruck trieb meiner Lieblingsfreundin Nele und mir mehr als einmal den Schalk in den Nacken. An diesem Tag besonders. Das kennt ihr doch sicher auch: Man schaut jemanden an, zufällig streift man den Blick eines anderen und merkt sofort: 2 Doofe, ein Gedanke. Und schon geht das Gegagger los. Nele und ich waren das ganz gut drin. So kam es, dass wir angesichts des zutiefst mürrischen Gesichtsausdrucks zweier Mitreisenden einen teuflischen Plan ausheckten. Der hatte etwas mit einem von chilenischen Ureinwohnern verhextem Drehkreuz zu tun, das wir alle passieren mussten und dem Fluch, der einen ereilen würde, falls man mit dem Drehkreuz physisch in Berührung kam. Führt jetzt zu weit, das hier zu erklären. Ich kann nur sagen, wir hatten einen Heidenspaß, wir zwei und ich einen, vermutlich seit meiner Schulzeit längsten Lachkrampf. „Da haben sich zwei Flitzpiepen gefunden,“ grinste mich Nele breit an. das mein ich aber auch 😉

Ermattet aber glücklich, ein typisches After-Wander-Feeling, fuhren wir mit dem Bus zurück, und machten noch einen Abstecher ins idyllische Puerto Montt. Was für ein schönes Hafenstädtchen. Auch hier hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Wir schlenderten über den Fischmarkt und aßen in einer typisch chilenischen Hafen-Fisch-Pinte zu Abend.

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Nach dem Genuss dieser typisch chilenischen Mahlzeit bekam ich ordentliche Magenprobleme, die schließlich dazu führten, dass ich am nächsten Tag leider einen Vulkan vollkotzen musste. Aber das war erst am nächsten Tag. Zuvor feierten wir noch ein wenig im Hotel in die Nacht hinein. Es gab nämlich eine Jukebox. Alle Scheiben hörten sich an wie My way auf südchinesisch, aber Spaß hatten wir trotzdem. Es gibt in Chile nämlich ein ganz tolles Nationalgetränk. Das da heißt: Pisco Spur. Prost!

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3 Wochen Chile: Das Wandern ist des Müllers Lust

Wo war ich stehengeblieben? Richtig, kaputte Heizung, kalte Nacht. Aber ich sag euch, Aktiv- bzw. Trekkingreisen zu buchen, hat einen enormen Vorteil. Man trifft in der Regel auf sportliche, unkomplizierte Zeitgenossen, die gruppentauglich sind und nicht wegen jeder Lapalie ein Mordstheater veranstalten. Schlechtes Wetter? Gibt es nicht. Gibt nur falsche Kleidung. Zu heiß? Egal. Zu Hause ist es dann meist kalt. Hotel nicht schön? Egal, Hauptsache Dach über dem Kopf und Bett zum Schlafen. Essen schmeckt nicht? Auch wurscht. Hauptsache was im Bauch. Nervige Mitreisende? Och jo, in der Gruppe findet sich sicher jemand, mit dem man über betreffende Person wunderbar abtratschen kann.

Sagte ich eben Trekkingreise? Haben wir echt eine Trekkingreise gemacht? Jou, man, haben wir. Ohne unser Wissen. Sowas kommt vor, wenn man sich im Vorfeld die Reiseunterlagen nicht wirklich gründlich durchliest und im Kopf „das bisschen Wandern wird doch wohl zu machen sein“ abgespeichert hat. Dann wird man eines Besseren belehrt. Und trekkt. Trekkt sowas von. Hat die falschen Klamotten dabei. Leiht sie sich zusammen. Und dann wird alles gut und hinterher kann man beiläufig in den Raum werfen, dass man eine Trekkingreise gemacht hat. In den Anden. Jawoll ja.

Aber zurück zu besagtem Morgen. Leicht schlotternd saßen wir im Frühstücksraum und schauten durch die Panoramafenster in den Regen. Tja. Da hilft nur Fritz`morgendliche Motivationsrede, ganz nach dem Motto: „Schauts, heut wandern wir. Im Vale de Frances. Die Wanderung wird etwa 5 Stunden dauern. Ziehts euch warm an. Ziehts euch Regensachen an. Es wird heute nass.“ 15 Minuten später saß eine bis an die Zähne mit Trekkingklamotten bestückte Truppe im Bus, zu allem bereit. 

Zum Ausgangspunkt der Wanderung ging es mit der Fähre.

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So sieht übriges ein glücklicher, trockener, warmer wander-Katerwolf aus:

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Der Nationalpark Torres del Paine ist ein Traumziel für Trekker aus der ganzen Welt. Viele machen ein mehrtägiges Trekken, so richtig mit Zelt und Rucksack durch die Gegend schleppen. So kommt es, dass man dort viele wanderlustige Hardcore-Truppen trifft, die meiner Meinung nach nicht beneidenswert sind. Beim Anblick des Basislagers einer solchen Truppe, der windgepeitschen Kugelzelte im kalten Regen, gewinnt auch ein ungeheiztes Hotelzimmer an Charme 🙂

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Unsere erste Wanderung hatte es in sich. Gar nicht mal ob der Distanz und Höhenmeter, vielmehr forderte uns das anstrengende Klima einiges ab. Böiger Wind, Regen, Temperaturen um die 6 Grad. Würde ich so etwas freiwillig zu Hause machen? Nö. Aber Gruppendynamik und sanfte Arschtritte seitens des Reiseleiters machen so etwas möglich. Und siehe da: Auf einmal, angesichts der überwältigenden Landschaft und des stürmischen Wetters, bei dem einem Worte wie  Naturgewalten, Urgewalt, schroff, abweisend, überwältigend, fantastisch in den Sinn kommen, machte es im Hirn plötzlich klick und wir waren angekommen. In Chile. Im fernen Patagonien. Irgendwo da, am Ende der Welt.

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Hier seht ihr eine prachtvolle Magelangans:

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Unsere erste Wanderung war insgesamt toll. Toll. Toller. Am Tollsten. Trotz eines konstanten, eher strammen Tempos gab es genug Zeit zum Innehalten, Staunen, Fotografieren, Müsliriegel verdrücken und sich untereinander ständig, wie die Affen, zuzurufen: „Ist das nicht absolut überwältigend und fantastisch?“ Ist es. 

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Am Abend saß eine sehr müde, sehr glückliche Gruppe vor diversen Flaschen Rotwein 🙂

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