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Katerwolfs Update

Ich hab euch nicht vergessen, ich bin nicht klammheimlich ausgewandert, ich habe keinen Krebsrückfall bekommen und bin spontan verstorben, ich habe nicht weitere 10 Hunde adoptiert und bin ihre Sklavin geworden, nein, ich habe nur ein kleines Päuschen eingelegt. Von 2 Monaten, wie mich meine liebe Blogleserinfreundin Brigitte kürzlich erinnerte. Danke euch allen lieben Lesern, dass ihr mich in letzter Zeit zaghaft daran erinnert habt, dass ihr gerne mal wieder meine Blogeinträge lesen würdet 🙂

Die Zeit ist eine Schere. Rast dahin. Man will ein bisschen verschnaufen und sich auf ein Bänkchen setzen und wenn man wieder aufsteht, sind 2 Monate vergangen. Obwohl, das mit dem Bänkchen, das ist bei mir so eine Sache. Wer mich kennt, hat bei dieser Metapher vielleicht ein wenig amüsiert die Augenbrauen hochgezogen und sich im Stillen gedacht: „Bänkchen? Katerwolf? Na, die ist doch eher im ICE unterwegs!“

Stimmt.

Aber genug der Vorrede, es wird mal wieder Zeit für ein Update! Die letzten 2 Monate waren turbulent. So viel passiert. Anfang April sind wir kurzentschlossen für 1 Woche nach Ägypten geflogen. In einen Club. Die Sehnsucht nach Meer, Sand, blauem Himmel, Rundum-Verwöhnprogramm und süßem Nichtstun war einfach verlockend. Aber wisst ihr was? So richtig toll war das nicht. Leider flog ich schon erkältet los und schleppte mich die Woche eher matt als flott durch die Gegend. Ich wollte eigentlich alles mögliche unternehmen im Urlaub. Bisschen Yoga, Segeln, Tauchen…Die Erkältung machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung und so verbrachte ich die Woche lesend unterm Sonnenschirm. Aber das Schicksal wird sich schon was dabei gedacht haben. Wenigstens habe ich, am Pool, in der Chill-Out-Zone, spontan an einem Apnoe-Schupperkurs teilgenommen. Apnoe, auch Freediving, heißt: Tauchen ohne Schnorchel, Maske, Flasche, nur mit einer großen Flosse. Einmal Flipper sein, wer träumt schon nicht davon! Außer mir nahmen noch 3 männliche Ehrgeizlinge teil. Beim ersten spontanen Luftanhalten schaffte ich 20 Sekunden, und während ich danach ein wenig in der Gegend herumschaute, hielten die 3 Apnoe-Helden so lange die Luft an, bis sie blau anliefen. Am Ende waren es 3 Minuten. Nach weiteren 2 Durchgängen war ich bei stolzen 80 Sekunden. Die 3 Möchtegern-Flipper sitzen vermutlich immer noch am Pool und halten die Luft an.

Auch sonst kam ich im Urlaub nicht so richtig in Fahrt. Weiß auch nicht warum. Sicher, die Erkältung, aber eine Rolle spielte wohl auch das sehr spezielle Klientel der Clubanlage: Neben benannten Ehrgeizlingen, die unzähligen gestählten Pilates-Elsen mit Waschbrettbauch, Dauerjogger (auch mit Waschbrettbauch), Power-Surfer (dieser Waschbrettbauch!) und wo man hinschaute zumbate jemand herum. Pffft. Zumba! Zumba! Wenn man nicht so gut rauf ist, können einem unkoordinierte Zumbatänzer (hier meist Wampe statt Waschbrettbauch), die zu ohrenbetäubender Musik asynchron ihre Gliedmaßen bewegen, ziemlich auf den Sack gehen. War halt nicht so meine Woche. Vielleicht war es auch keine gute Idee, zu beschließen, just im Urlaub Vegan zu werden. Das brachte mir eine recht einseitige Ernährung (Blumenkohl) ein und am abendlichen Wir-Sind-alle-eine Familie-Gruppentisch die eine oder andere Verstrickung mit militanten Fleischessern:“ Isst du KEIN Fleisch? Warum? Also ich liebe Fleisch am liebsten, wenn es auf dem Teller noch MUH macht!“ Ich revenchierte mich mit lebendigen Schilderungen von Kakerlaken-im Knusperteig-Festmahlen in Mexiko, damals, als ich noch mit dem Rucksack herumreiste. „Rucksack?“ „Igitt!“ „Wir fahren schon in der 5. Generation in diesen Club.“ *von oben herab anschau*

Was gab es noch. Einen neuen Chef. Mister Speedy Gonzales. Der mich mega auf Trab hält. Uff.

Das liebe Viehzeug. Einer süßer wie der andere. Joschi, mein mittlerweile alter Tibet-Terrier-Herr hat einen Energieschub. Kayra, unsere türkischer Strandhund-Findling, die sich als Windhund-Jagdhund-Mix entpuppt hat, ist jetzt 2 und probt das Erwachsensein. „Hey, du Zottel da vorne, komm du mir da her! Isch rempel disch an, ey, du!“ Chikita, die kleine, aus der andalusischen Tötung stammende Chihuahua-Mops-Hündin meiner Eltern, genannte „Die Granate“. Und ab und an Honey, unser Ferienhund, eine Retrieverhündin, die uns liebt und mit Vorliebe in Flüsse springt und versucht, bis zum Meer zu schwimmen. Und natürlich Lola, meine gute, alte Oldenburger Stute, die im April 21 Jahre alt geworden ist und ein wenig in die Jahre kommt. Aber sie wird nach wie vor gerne geritten und liebt es, über die Felder zu galoppieren. Flankiert von Kayra und verfolgt von Joschi.

Das Rudel Kayra, Chiki, Honey  und Joschi (abgehoben)

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Apropos Reiten: Es gibt Wunder. Von einem Wunder will ich euch kurz erzählen. Mein Gatte, der bislang Angst vor Pferden hatte und meine Pferdesucht nicht mit mir teilte, reitet. Ihr lest richtig: reitet. Letztes Jahr haben wir einen kleinen Deal gemacht. und mein Mann willigte ein, dieses Jahr ein Reiter-Schnupperwochenende „Reiten lernen im Gelände“ mit mir zu machen. Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass ein bislang gänzlich unerkanntes Reittalent in ihm schlummerte und, dass es ihm Spaß machen würde. Jetzt nimmt er Reitstunden auf good old Lola und nächste Woche gehen wir zusammen ins Gelände. Jiiieeehaaaaa 🙂 Ich werde berichten.

Beweisfoto: Mein Mann reitet 🙂

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Auch von unserer Vegan-Challenge, die wir seit 4 Wochen machen, die ziemlich überzeugend ist und meinem Mann bislang 8 Kilo weniger auf der Waage gebracht hat, werde ich berichten. Yesss.

So, ihr Lieben, hier mal ein Punkt, sonst wird das ein Roman, ich hoffe, euch geht es allen gut und freue mich aufs „Wiederlesen“ mit euch. Bis bald!

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3 Wochen Chile: Shania Twain-Folter

Kennt einer von euch Shania Twain? Mag die einer? Ich kenne sie jetzt sehr, sehr gut. Und ich mag sie nicht. Zumindest nicht 3 Stunden am Stück in ohrenbetäubender Lautstärke, quasi als Gefangene im Bus. Wie es dazu kam? Das erzähl ich euch jetzt 🙂

Nach unserer gigantomanischen, fantastischen Wanderung zum Mirador del Paine und einem komatösen Schlaf ging unsere Reise am nächsten Morgen zurück nach Punto Arenas, von wo wir am nächsten Morgen nach Puerto Mont am Lago Llanquihue (na, wer weiß, wie man das ausspricht, hä? Hä?) weiterfliegen sollten. Das Wetter hatte sich wieder eingetrübt, aber uns störte das nicht. Verwöhnt vom Vortags-Sahnewetter konnte uns wettermäßig nichts in schlechte Laune versetzen. Auf dem Plan stand außerdem ein Abstecher zu den Ausläufern des Grey-Gletschers, noch im Nationalpark Torres del Paine gelegen. Ich selbst wachte leider mit einem Mega-Schnupfen-Rüssel und -Kopf auf. Nach der Anstrengung vom Vortag und der doch eher kühlen Basistemperatur rings um mich herum, setzte mich eine üble Erkältung schachmatt. Fritz bot mir als Sofortmaßnahme ein (mit Sicherheit auf dem Index stehendes) Schnupfenpulver an, ich beschloss jedoch, die Wirkung des Wundermittels im Businnern abzuwarten und die Wanderung zum Aussichtspunkt ausfallen zu lassen. Zumal es anfing zu pieseln. Und in Chile pieselt es nicht nur einfach ein bisschen, das wächst mit der Zeit. Und dauert. Also Bus.

Gemütlich schaute ich dem Aufbruch meiner, von Kopf bis Fuß in wärmende Regenklamotten eingehüllten, Mitreisenden zu und schickte Ihnen ein „Viel Spaß!“ hinterher. Mein Plan war, einfach völlig gechillt im Bus zu sitzen, meinen Krimi zu lesen und ein paar Mandarinen zu futtern (Vitamin C) und mir ansonsten alle paar Sekunden lautstark die Schniefnase zu putzen. Diese Rechnung hatte ich allerdings ohne den Wirt gemacht. In diesem Fall Pedro, unseren Busfahrer. Pedro war ein junger, sympathischer Chilene, der uns schon ein paar Tage zuvor durch sein beeindruckendes technisches Wissen beeindruckte. Bus kaputt? Mitten in der Pampa? Null Problemo! Superpedro sprang in seinen neonfarbenen Overall, schraubte am Bus herum und brummbrumm gings weiter. Außerdem war Pedro einfach süß.

Und auch im Bus. Ohne Krimi. „Kennst du Shania Twain?“ fragte er mich hoffnungsfroh, „und Enrique Iglesias?“ Shania Twain sagte mir nicht wirklich was, aber Enrique hatte ich als extrem schmalzigen, singenden Sohnemann von olle Julio in Erinnerung. Ich glaub, der hatte auch mal was mit dieser russischen Tennisspielerin, die auf dem Tennisplatz immer so gestöhnt hat. „Stört es dich, wenn ich die Musik im Bus laufen lasse?“ Also mal ehrlich, wer von euch hätte in dieser Sekunde nein gesagt. 2 Sekunden später schallte es in ohrenbetäubender Lautstärke aus den leicht scheppernden Buslautsprechern. „Uuuhuuuhuuu jodel quäk, jammer, schmacht, seufz.“ Begleitet von einem lautstark mitsingendem Pedro. Wow, absolut grauenhaft. Das Eine wie das Andere. Andererseits war die Situation auch einfach entzückend. Könnt ihr euch so eine Situation in Deutschland vorstellen? Nö, ne? Trällernd kam Pedro zu mir und setzte sich beherzt neben mich. Na gut, dann frisch ich halt meine Sprachkenntnisse auf, beschloss ich und stopfte den Krimi in meine Tasche. Eine ganze Weile saßen wir so da und brüllten uns vor dem Hintergrund einer noch lauter brüllenden Shania Twain, im Wechsel mit Enrique, an. Ich erfuhr, dass er aus Punto Arenas kam, zum zweiten mal verheiratet war, 2 Kinder hatte, früher als Pferdeheiler gearbeitet hat und ich lernte sehr viel über Punto Arenas, seine Bewohner und dem großen Glück, in Patagonien leben zu dürfen, einer Region, in der Menschen leben, die Freiheit und Einsamkeit und grenzenlose Weite schätzen und dafür eine Sommer-Durchschnittstemperatur von 6 Grad in Kauf nehmen (den Winter lassen wir jetzt mal weg, brrr). Ich erfuhr auch einiges über Fußball, aber ich muss gestehen, dass meine Spanischkenntnisse nicht ausreichen, um mich über Fußball unterhalten zu können.

Nach etwa 1 Stunde stellte ich fest, dass ich heiser war. Das lag zum einen an der Erkältung, zum andern an dem Versuch, Shania und Enrique zu überbrüllen. Außerdem war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich große Lust hatte, in Enriques Luxusvilla zu fahren, wo er mit Sicherheit lauthals singend mit Shania und der stöhnenden Russin im Pool herumplantschte und alle 3 zu ertränken. Auch wenn die Russin nichts dafür kann. Ich bat Pedro vorsichtig, die Musik etwas leiser zu stellen. „No te gusta Shania?“ fragte er mich ganz offensichtlich enttäuscht und traurig. „Si, si, me gusta mucho! Perro tengo un muy grande Influenzia!“ Ich weiß nicht, ob er mir das abnahm. Ich glaube ehrlich gesagt nicht. Jedenfalls stellte er die Musik ganz ab und stieg aus, um sich ausgiebig einem Pferd zu widmen, das gerade, mit einem Parkranger obenauf, des Weges kam. Ich beobachtete ihn eine Weile, und das, was er mit dem Pferd so machte, ließ tatsächlich seine besondere Beziehung zu Pferden erkennen. Faszinierend.

Gerne hätte ich, selbst Pferdefan und Reiterin, mehr von ihm darüber erfahren, aber schon kam unsere durchnässte, aber zufriedene Gletschergruppe zurück und mein stolzer Gatte brachte diese Fotos mit:

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Den Rest des Tages und Abends verbrachte ich in einem denkwürdigen Zustand, den man ganz gut als Mischmasch zwischen Erkältungsdoping und Rotwein bezeichnen kann. Ich erinnere mich noch, dass ich ziemlich glückselig einschlief. Hatte schließlich Urlaub.

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Parlääh wuuhhh fronncä?

Ich bin berühmt für meine Spontanideen. Darüber nachdenken tu ich meist hinterher. Richtig nachdenken, meine ich, so mit allen Konsequenzen und all dem Kram. So schrie mein Hirn vor 1 Monat gleich: „Jaaa, suuuper, nix wie ran an die Buletten!“ , als ich in einem Flyer das Angebot entdeckte, mein Französisch aufzufrischen. Ich bin an der französischen Grenze aufgewachsen, lernte in der Schule schnell und gut Französisch, und enge Freundschaften zu Schülern Deutsch-Französischer Schulen in der Stadt sowie diverse Liebeleien mit charmanten Jung-Franzosen aus Frankreich (Stephan, Olivier, Gregory, Marc, Jean, Didier, Jacques, noch mehr Oliviers…) vertieften meine Sprachkenntnisse unkonventionell und effektiv. So kam es, dass ich mit 18, 19 Jahren nahezu fließend Französisch sprach. Nach dem Abi ging es nach Berlin, zum Studieren, Leben, Erwachsenwerden und zum Französisch-Vergessen. Als ich nach 18 Jahren Berlin überraschenderweise lebenserfahren, alleinerziehend und fast frei von französischen Sprachkenntnissen wieder in heimischen Gefilden landete, wo mich nicht nur meine Familie und alte Freunde sondern ein neuer, verlockender Job erwarteten, merkte ich recht schnell, dass es hier ohne Französisch nicht wirklich gut geht. Vor allem nicht, wenn man einen Job hat, in dem man es viel und oft mit Franzosen zu tun hat. Die Tatsache, dass man fast alles versteht, reicht irgendwann nicht mehr. Auch nicht, wenn man Kolleginnen hat, die Muttersprachlerinnen sind und an die man unauffällig Telefonate und Gespräche weiterleiten kann. Seit geraumer Zeit schon ist es mir im Geheimen peinlich, Meetings still lächelnd und beifällig nickend zu absolvieren.

Und dann tauchte der Flyer auf. Mit dem verlockenden Angebot, sein eingerostetes Französisch aufzufrischen. 1 Woche lang, allabendlich 2 1/2 Stunden. Wie anstrengend das sein könnte, verdrängte ich erfolgreich. Und so kam es, dass ich vor 2 Wochen, nach stressigem Arbeitstag, Hunde ausführen, Pferd versorgen, einkaufen und was man halt so tut, die Schulbank drückte. Mit 5 anderen Opfern. Und einer ungemein gut gelaunten, sympathischen Französischlehrerin. Der erste Abend war das blanke Entsetzen. Wie, wir sollen wirklich Französisch sprechen? Wie jetzt? Völlig von der Rolle stellte ich mich mit den Worten vor: „Bonjour, je m`appelle Madame Katerwolf et je cherche une cravatte pur mon oncle Serge.“ Ungläubiges Mich-Anstarren. Nun ja, das war der einzige Satz, der sich in meinem Hirn an die Oberfläche bahnte. Ein längst verborgener Satz aus meinem ersten Französisch-Schulunterricht. Sehr peinlich das Ganze. Nach der vollständigen Vorstellungsrunde war es mir schon deutlich weniger peinlich, weil sich meine Nachbarin auf Spanisch vorstellte, die nebendran in perfektem Schwäbisch-Französisch (sehr drollig), eine weitere Schülerin schwieg und starrte panisch auf die Schulbank, eine Streberin war auch dabei und KONNTE das (erntete böse Blicke) und eine sprach so langsam, dass wir anderen derweil hätten das olympische Feuer nach Athen bringen können. Tja, das war dann die Stunde der Wahrheit.

Madame Mirabelle, unsere Dozentin, ließ sich dadurch in keinster Weise beirren und plapperte munter auf uns ein. Bewarf uns mit Subjonctif, Konditional I und II, Adverben, Adjektiven und so ging das munter weiter. Vor ihr saßen 6 überforderte, dehydrierte Schülerinnen, deren Gehirne man förmlich ächzen und knarren hörte. Es gab eine erste richtige Sprachübung: Jede von uns erhielt ein Blatt Papier, auf dem oben eine kleine, simple Bildergeschichte abgebildet war, unter jedem Bild standen ein paar Wörter. Ziel der Übung war es, unter Einbezugnahme der Wörter die jeweiligen Bildkästchen nachzuerzählen. Ich durfte anfangen. Panik. Ich starrte auf das Bild, auf dem 3 gezeichnete Menschen abgebildet waren. Ein Pärchen, Mann und Frau, auf der einen Seite einer geöffneten Tür und ein einzelner Mann, auf der anderen Seite der Tür. Die zur Verfügung stehenden Wörter waren Jacques, Ferdinand, Rosalie, porte (Tür), fete (Feier), inviter (einladen) und amis (Freunde). Ich starrte weitere 5 Minuten auf das Bild, das vor meinen Augen verschwamm und stammelte schließlich etwas. Madame Mirabelle schaute mich irritiert an. „Bon. Also, ich glaube, Sie verwechseln da etwas. Wer lädt hier wen ein? Ich meine, Jacques ist der Gastgeber und er hat seine Freunde Rosalie und Ferdinand eingeladen. Oder, was meinen Sie?“ Was ich meine? ALTER! Was weiß ICH denn, wer jetzt wen wo eingeladen hat? Herr, schick bitte Hirn. Trotz freundlicher Unterstützung seitens Madame Mirabelle und meiner Mitschülerinnen war es mir nicht zu vermitteln, wer Jacques, wer Ferdinand und Rosalie waren und was zum Henker sie da auf dem Bild machten. Tja, ein klassischer Fall von Black-Out würde ich sagen. Ein Totalausfall. Peinlicherweise bekam ich einen hysterischen Lachanfall. Wie früher, in der Schule, mit 13. Ich bekam mich nicht mehr unter Kontrolle, entschuldigte mich, ging vor die Tür, spritze mir auf der Toilette bisschen Wasser ins Gesicht. Half nichts. Sobald jemand im Kurs Rosalie, Ferdinand oder Jacques sagte, brach es wieder aus mir heraus. Zum Glück nahmen es alle mit Humor.

Tja, das war also meine erste Auffrischungsstunde. Ich kann euch aber beruhigen. Trotz fortschreitender Erschöpfung (jeden Abend fast 3 Stunden Rosalie, Ferdinand und Jacques SIND anstrengend!) löste sich tatsächlich nach und nach der Rost in unseren Birnen und wir kamen immer mehr ins Plaudern. Es gab noch ein paar Totalaussetzer, so etwa, als ich eine Geschichte nacherzählen sollte, in der es um Pilgern nach Lourdes und hohlen Jungfrauen ging, okay, da verlor ich etwas die Orientierung. Auch meine Mitschülerinnen erzählten mitunter wirres Zeug von Katzen, die Autofahren, Urlaubsreisen unter Wasser und solche Sachen 😉 Aber alles in allem war der Kurs unterm Strich doch von Erfolg gekrönt. Und weil es so schön war, mache ich jetzt weiter. Jeden Montag Abend 1 1/2 Stunden Konversationskurs bei Madame Mirabelle, ich halte euch auf dem Laufenden!

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Perfektes Wochenende

Ich sag einfach nur: ein perfektes Wochenende! 2 Tage in der Septembersonne durch unser schönes Saarland geritten und abends in einer herrlich kuscheligen Pension Schnitzel mit frischen Pfifferlingen gefuttert, Rotwein getrunken, Schnaps aus der benachbarten Schnapsbrennerei hinterher geschoben und sich wunderbar unterhalten und so viel gelacht. Spät am Abend todmüde ins gemütliche Bettchen gekuschelt und morgens in der Früh dann dieser Blick aus dem Fenster. Das Leben kann so schön sein. Stimmt ihr mir zu?

 

Assweiler

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Begegnungen :-)

Es gibt auf Erden ein paar Spezial-Exemplare. Ihnen zu begegnen, ist einfach eine gute Sache. In den letzten 3 Tagen hatte ich gleich zweimal das Vergnügen 🙂

Spezial-Exemplare 1: Im Blumenladen auf dem Land

Vorgestern waren wir bei Nachbars eingeladen. Neu-Nachbars wohlgemerkt, denn wir sind bekannter weise vor 3 Monaten umgezogen. Diese Nachbarn sind älteren Semesters, sehr nett und ein wenig zäh. Wenn ihr versteht. Aber lieb! Ich entschied mich für einen Blumenstrauß zum Einstand. Auf dem Weg vom Reitstall fuhr ich im angrenzenden Dorf an einem Blumenladen vorbei. Guter Zufall! Ich war noch nie drin gewesen, von außen sah er ein wenig seltsam aus, aber Blumen gibt es ja schließlich in jedem Blumenladen. Ich also rein spaziert und festgestellt, dass ich die Auswahl hatte zwischen vertrockneten Gartenpflanzen und Rosen. Ok, dann Rosen. Der Laden war leer, hinter einem der Stellwände kicherte es jedoch unterdrückt. Ich hüstelte ein wenig und schon kam hinter der Stellwand eine Floristin heraus. Eine kleine, runde, junge Floristin mit Kraushaar, Nickelbrille und breitem Grinsen: „Hallooo-h-ooo, halliii-halloooo“ *kicher*. Auch hinter der Stellwand kicherte es vergnügt weiter. Hm, hatte ich da 2 Jung-Floristinnen beim Kiffen erwischt? Oder Floristin+Florist beim heimlichen Stelldichein?

Ich gab meine Bestellung auf, Rosen mit bisschen grünem Volumen drumherum. Die junge Frau ging gut gelaunt mit den Rosen hinter die Verkaufstheke und begann sie zu binden. Oha! Sehr originell zu binden. Von irgendwoher unter sich nahm sie recht dicke, dicht belaubte Äste und große Farnblätter und drapierte sie um den immer größer werden Rosenstrauß. Mir kam die Vermutung, das Grünzeug stamme einfach aus dem heimischen Garten hinter dem Geschäft. Während sie also munter am Strauß arbeitete, erschien das personifizierte Kichern hinter der Stellwand. Ein ebenfalls jüngeres Exemplar, so um die 20, mit einer sehr merkwürdigen Frisur, breitem Grinsen und Bugs-Bunny-Zähnen. Bugs Bunny lümmelte sich an den Tresen und es entspann sich zwischen den beiden Frauen eine interessante Unterhaltung. Im Mittelpunkt stand so ziemlich die gesamte Dorf-Bevölkerung. Munter wurde getratscht und geklatscht, was das Zeug hielt, in breitestem Dialekt:

Bei der Hochzeit am vergangenen Wochenende habe die Braut (übrigens eine dorfbekannte Schlampe, die endlich jemanden fürs Leben gefunden hat) zwar ein schönes Brautkleid gehabt, allerdings habe ihre üppige Oberweite nur mangelhaft ins Kleid gepasst. Der Dachdecker, der wo immer mit dem weißen Kastenwagen herumfuhr, sei letztens sooo betrunken gewesen, dass er den Wagen nach der Schicht in einer falschen Garage geparkt hätte, den Schlüssel verlor und vor der Metzgerei einschlief. Bugy Bunny hat ihn nach eigenen Aussagen nach Hause geschleppt, nachdem sie seinen Schlüssel gefunden (und ihn dort vermutlich zielsicher vernascht) hat. Außerdem bekam ich zu hören, dass das Baby, das wo immer so schreit, das auf der Straße gegenüber, da wo die „du weißt schon wer“-Frau (vielsagende Blicke und mächtig hüpfende Augenbrauen bei den Mädels) auf dem Arm hat, nur so schreit, weil die Mama, eine dorfbekannte Schnapsdrossel, es so oft auf den Kopf fallen lässt. Am Ende verließ ich sichtlich amüsiert mit dem wohl ausgefallenstem und voluminösestem Rosenstrauß meines Lebens den Laden. Die Nachbarin starrte den Strauß übrigens recht irritiert an.

Spezial-Exemplare 2: Der Postbote aus der Puzsta

Postboten sind oft recht originelle Persönlichkeiten. Unser neuer Postbote, ein kleiner, dunkler, recht haariger Bursche steht dem in nichts nach. Er ist sehr kommunikativ. So wissen wir zum Beispiel schon, dass er Schafe züchtet, gerne Rotwein trinkt und dies und das. Gestern erwischte er mich in der Einfahrt, als ich gerade nach Hause kam. „Sind Sie Ungarin?“ fragte er mich verschwörerisch. Nach einem kurzen Austausch klärte sich, dass er ja kürzlich einen Brief aus Ungarn bei uns abgab und daraus schloss, ich müsse Ungarin sein. Tatsächlich bin ich halbe Ungarin, halbe Tschechin. Eine Nachricht, die ihn überaus freute, da auch er Unmengen ungarischen Blutes in sich hat. Ich erfuhr gestern Einiges über seine Kindheit, an die er selbst sich nur noch dunkel erinnert. Aber er wisse, er habe irgendwo dort oben an der „Muldau“oder wie der Fluss da heißt, gelebt und dass er dort mal was Schlimmes erlebt hat und zwar so  schlimm, dass er sich eingeschissen hat. Die Scheiße lief ihm grad so die Beine runterlief. Und wir seien ja fast verwandt und müssten demnächst mal einen Karton Wein zusammen trinken.

Ja, am Besten im Blumenladen. Klingt nach einem guten Plan 😉

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Jedem seine Sucht

Der eine mag süchtig sein nach Nikotin, der Andere nach Süßigkeiten, der Süchte gibt es viele. Ich für meinen Teil bin süchtig nach Kümmelbrötchen. Oder Kümmelweck, wie man bei uns sagt. Wenn alles gut läuft, esse ich täglich 1 Kümmelweck. Am allerliebsten mit Salami und Camembert. Eine Bäckerei um die Ecke meines Büros macht konkurrenzlos sagenhaft leckere Kümmelbrötchen-Sandwichs. Neben Salami und Camembert tummeln sich noch Salat, Tomate, Ei und saure Gurke in geselliger Harmonie. Meist pilgere ich schon kurz vor 12 zur Bäckerei, und wenn ich zum Verkaufstresen trete, blinkt es in meinen Augen: Kümmelbrötchen-Sandwich. Ich bin dort gut bekannt.

Problem: Bis vor Kurzem hatte ich in der Bäckerei das Monopol auf Kümmelbrötchen, da sich diese offensichtlich einer geringen Beliebtheit erfreuten. Arme, ungeliebte Kümmelbrötchen, denen ich zu mehr Selbstbewusstsein verhalf, indem ich Ihnen eine Sonderstellung in meinem Leben gab. Egal, wann ich in die Bäckerei kam, es waren immer  Kümmelbrötchen da.

Das ist jetzt vorbei. Es scheint mir, dass auf einmal Kümmelbrötchen in sind. Vor etwa 3 Monaten fiel mir erstmals auf, dass die Kümmelbrötchen öfters mal aus waren, wenn ich in die Bäckerei kam. Und ich in meiner Mittagspause missmutig auf einem tristen Roggenbrötchen herumkauen musste. Etwa zur gleichen Zeit bemerkte ich, dass in nahezu jeder Bäckerei, die ich betrat, urplötzlich massenhaft Kümmelbrötchen in der Auslage lagen. Meine Recherchen ergaben, dass tatsächlich immer mehr Kümmelbrötchen nachgefragt werden. Hey, Leute, was soll das? Meine.

Nachdem mir 4x hintereinander jemand meine Kümmelbrötchen vor der Nase weggeschnappt hatte, beschloss ich vorgestern, der Sache auf den Grund zu gehen. Bereits um 11.30 Uhr machte ich mich zur Bäckerei auf und betrat kampfesbereit das Schlachtfeld. Und was sahen meine Augen? Feindliche Kümmelbrötchenräuber. 2 junge, übergewichtige Männer, pickelig, mit Playmobilfrisuren, die sich gerade ihre Kümmelbrötchen-Sandwichs einpacken ließen. Ihre imposanten Hintern blockierten den Tresen und versperrten mir die Sicht. Während mir die Bäckerin, die meine Darth Vader-Energie spürte, ängstliche Blicke zuwarf, alberten die zwei Spackos in Vorfreude auf ihre Kümmelbrötchen herum, klatschen sich mit ihren Schwitzepranken ständig ab und sprachen in irgendeiner merkwürdigen Ork-Sprache miteinander. Saftsäcke.

Da ich nach meiner Gollum-Begegnung (siehe mein Post Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs) beschlossen habe, mein Temperament etwas zu zügeln, blieb ich ruhig, trat sie nicht in den Hintern, beschimpfte keinen und kaufte mir stattdessen eine belegte Laugenstange. Kein Ersatz für Kümmelbrötchen, aber ich bin stark. Und nächste Woche gehe ich bereits um 11 in die Bäckerei. Und dann wollen wir mal sehen.

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Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Hallo zusammen!

Ich weiß, ist gerade ziemlich ruhig hier. Dafür ist es umso bewegter im Land jenseits des blogs, sprich: im Alltag. Ich sag nur: Wir ziehen übermorgen um. Noch Fragen? Wie geplant, ist das neue Haus noch nicht ganz fertig, das alte noch nicht verkauft, die Kisten noch nicht fertiggepackt und noch geschätzte 1000 Dinge nicht erledigt. Irgendwie der blanke Horror, und ich hatte gestern Abend meinen ersten hysterischen Anfall. Ähem. Musste aber mal sein. Die wahre Kunst besteht darin, zwischen den Umzug den Restalltag zu packen, wie etwa Job, Haushalt, 2 Hunde und 1 Pferd. Beispiel? Der eine Hund, Joschi, hat heute früh vor dem Haus unseres Tierarztes einen Kackkrampf bekommen und schrie dermaßen, dass der Tierarzt rauskam und mich gleich in die Praxis beorderte, da er eine Darmentzündung vermutete. Ich Joschi also ins Auto gepackt und zum Tierarzt gekarrt, nur um beim Ausladen eines überaus störrischen Hundes (er roch die Praxis durchs Autofenster) zu merken, dass derselbe den gesamten Innenraum des Autos zugeschissen hatte, inklusive Leine und ich die Tierarztpraxis von Kopf bis Fuß mit Scheiße beschmiert, mit einem stinkenden, komplett zugeschissenen Hund betrat. In solch einer Verfassung im Wartezimmer zu sitzen, nein, Spaß ist was anderes. Etwas anstrengend im Moment, ehrlich. Hinzu kommt meine immer noch angeschlagene Gesundheit, denn ich merke, dass mich die 2 ungeplanten OPs im März doch ganz schön geschwächt haben. Tja, was soll ich sagen, da muss ich jetzt durch. Am Sonntag sind wir im neuen Haus und dann schalte ich einen oder auch 2 Gänge runter. Muss ich runterschalten, wollte ich sagen.

Ich wollte mich zwischendurch einfach mal melden und *huhu* sagen, denn ab Sonntag haben wir, dank Telekom, 3 Wochen kein Telefon und kein Internet. Und da es daher weiterhin ruhig bleiben wird, hier auf meinem blog, lasse ich euch ein paar schöne Bilder hier, ein paar typische Katerwolf-Schnappschüsse, die mir letzte Woche vor die Linse sprangen, damit ihr an mich denkt und mich nicht ganz vergesst! Bis denne, eure Katerwolf.

 

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Joschi nervt

Viele von euch kennen Joschi aus meinen zahlreichen Geschichten hier und auch in meinem zweiten Blog Linker Mops (hier unter der Kategorie Hunde). Joschi, mein mittelgroßer, schwarzer, wuscheliger Tibet Terrier. Mittlerweile ranken sich Legenden um seinen skurrilen Charakter. Joschis Triebfedern sind Eifersucht und Ehrgeiz. Eine außerordentliche Intelligenz. Zudem ist er extrem goldig. Gute Mischung, oder? Man verzeiht ihm nämlich alles, weil, wenn er Mist baut, ist er intelligent genug, so goldig zu sein, dass man ihm nicht böse sein kann 😉 Einstein.

Wenn man es nicht mit eigenen Augen sehen könnte, würde man nicht glauben, dass er sich aus purer Eifersucht auf mein Pferd Lola die Pfoten auskratzen und longieren lässt und Lola alles wegfrisst, was nicht niet- und nagelfest ist. Seit Weihnachten 2012 gibt es Kayra. Unsere türkische Findlingshündin, die uns letztes Jahr in Belek zulief und nun bei uns wohnt. Kayra ist 11 Monate alt und ein liebes Tier. Joschi war zunächst mächtig von ihr begeistert, bis wir merkten, dass das Interesse nur ihrer M.uschi galt, daraufhin bekam er einen Hormonchip verpasst und das Interesse erlosch schlagartig. Er arrangiert sich aber recht gut mit ihr, und sie werden langsam ein gutes Team.

Gestern wurde Kayra kastriert und nun leidet sie mit großen Dramatik. Will auf den Arm, was schwierig ist mit 15 Kilo und ist elend ohne Ende, der arme Schatz. Joschi hingegen stirbt vor Eifersucht, weil Kayra nun mehr betüdelt wird und außerdem einen aufblasbaren Kragen trägt. Habe ihn Joschi gestern probeweise auch angezogen, worauf er ihn nicht mehr ausziehen wollte und knurrte wie blöd. Ich erinnere mich noch daran, als Joschi mal so einen Kragen anziehen sollte und versuchte erst die Arztpraxis und dann uns zu töten. Gestern gings. Joschi. Eifersüchtig beäugt er Kayra mit ihrem Kragen und sägt ein wenig an meinen Nerven, muss ich gestehen.

So macht er zum Beispiel alle paar Sekunden *wuff* und starrt mich dabei an. Über Stunden. Es ist ein *wuff*, das sich anhört, als hätte er das Maul voller Kartoffelbrei. Ein *wuff*, das einem langsam, ganz langsam, das Hirn aufweicht. „HÖR SOFORT MIT DEM WUFF AUF, HAST DU GEHÖRT??!!!“ höre ich mich brüllen.

*wuff* *anstarr*

👿

Gestern hat er abends das für Kayra bestimmte Novalgin, tückisch in Wurst verpackt, erbeutet, hatte danach einen Mords-Energieschub und fiel anschließend in eine  Art Schlafkoma. Heute morgen habe ich auf den letzten Drücker das Antibiotika vor ihm gerettet. Bei der Morgenrunde, die mit 2 Hunden an der Leine, einer davon mit einem Schlauchboot um den Hals, etwas nervig war, ließ er den Voll-Proll raushängen. Wollte eine Katze jagen. Einen Schnauzer fressen. Sprang in den Ententeich in den Morast und jagte Enten. Was zur Folge hatte, dass ich auf dem Rückweg 1 Hund mit Schlauchboot um den Hals und 1 nach Entengülle stinkenden Hund an der Leine hatte. Der dem Nachbarn vor die Tür schiss. Während der Nachbar gerade aus der Haustür kam. Ich hatte keinen Hundekotbeutel dabei, musste dem Nachbar dümmlich grinsend zunuscheln, ich käme gleich wieder, nach Hause eilen, Kackbeutel holen, zurücklatschen und unter abschätzenden Nachbarsblicken Joschis Kackhaufen eintüten. Als ich wieder nach Hause kam, stand Kayra samt Schlauchboot an exakt der gleichen Stelle, an der ich sie zurückgelassen hatte, Joschi lag stinkend auf dem Sofa, mitten in seiner Entengülle. Als ich ihn anbrüllte, er solle sofort runterkommen vom Sofa, starrte er mich an und machte *wuff*.

👿

Joschi nervt. Wenn er nicht so goldig wäre, würde ich ihn im Moment ruhigen Gewissens irgendwo in einem schalldichten Raum einsperren.

 

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Wie im wilden Westen

Hattet ihr schon mal das intensive Bedürfnis, euch zu prügeln? So richtig wie im Wilden Westen, saubere Saloon-Prügelei, Zähne und Stühle fliegen, Flaschen zerschellen auf dem Kopf? Nein? Ich schon. Gestern.

Wie jeden Tag fuhr ich zur Baustelle unseres neuen Hauses, wollte rasch was mit den Handwerkern besprechen. Unsere neue Straße ist eine recht steil ansteigende, schmale Straße, die wenig Parkmöglichkeiten bietet und ein Stückchen oberhalb unseres Hauses in einer Sackgasse mündet, direkt am Wald. 2 Autos kommen gerade mal so aneinander vorbei, parken Autos auf den zulässigen Parkflächen, wird es schon schwierig und erfordert ein gut sozialisiertes Straßenverhalten.  Die derzeitige Nachbarschaft setzt sich aus distinguierten Gruftis zusammen, die offenbar schon seit mehreren Jahrhunderten in der Straße wohnen und ihre Gruft auch tagsüber verlassen, schattengleich in der Straße herumschleichen, Ordnungswidrigkeiten aufspüren und gerne auch mal die Polizeit rufen. Man nennt sowas Nachbarschafts-Petzen. Das ist freundlich. Unfreundlich ist: Nachbarschafts-Stasi. Trifft es aber auch ganz gut. Erfreulicherweise findet in der Straße neuerdings ein Genrationswechsel statt. Die Alten sterben weg und viele junge und mittelalte Familien und Paare ziehen hinzu. Denkt jetzt nicht, ich sei respektlos, wegen „die Alten sterben weg“ und so. Ich respektiere das Alter sehr, sehr, sehr. Aber nicht alles, was alt ist, ist auch nett.

Ein Stück hinter unserem Haus ist ein wunderschöner Kindergarten. Zwischen 16 und 17 Uhr werden die lieben Kleinen von ihren Mamis abgeholt. Ich vermute, diese Zeit ist eine sehr sensible Zeit, denn die Mamis parken ihre Kinder-Combi-Kutschen, die man gut an zahlreichen Kindersitzen und so lustigen Aufklebern wie z. Bsp. Chantal-Angélique und Kevin-Marc-Spencer an Bord sowie an kreativen Parkmethoden erkennen kann. Wenn die Mamis nun ihre Kutschen kreativ auf den spärlichen Parkplätzen parken, entsteht ein harter Verteilungskampf mit den Anwohnern und durchfahrenden Autos, die nun nur erschwert passieren können. Das Ganze dauert vielleicht 30 Minuten und dann ist der Spuk vorbei. In urdeutscher Manier entsteht in dieser Stoßzeit ein erhöhter Stresspegel, und auch die Anwohner-Gruftis schleichen in dieser Zeit sensationslüstern vermehrt durch die Straße.

Unglücklicherweise blockieren derzeit auch unsere Handwerker die eine oder andere Durchfahrtmöglichkeit, man kann es ihnen noch so oft sagen, sie stellen ihre Autos doch dahin. Bislang ging alles gut. Keine Anzeigen, keine festgeketteten Rentner an der Radkappe. Gestern suchte ich mir genau diese Zeit aus, um auf die Baustelle zu fahren. Nach ergebnisloser Parkplatzsuche und genervter Blicke in Richtung schnackender Mamis neben kreativ parkenden Kutschen, stellte ich meinen Wagen kurzentschlossen ins absolute Halteverbot, lief um den Wagen herum, um zu sehen, ob ich die Straße blockierte, dem war nicht so und eilte ins Haus. Kaum war ich drin, hörte ich draußen tumultartigen Lärm und ein Handwerker kam hektisch reingelaufen und sagte, es wäre besser, wenn ich sofort meinen Wagen wegfahren würde. Ich also wieder raus, wo sich mir folgendes Bild bot:

Ein mittelgroßer Transportlaster vor meiner Kühlerhaube, hupend, dahinter 3 Autos, hupend, auf dem Bürgersteig ein Grufti, mehrere Kompostis an offenen Wohnzimmerfenstern, zum Teil mit Kissenpolster. Aha. Behende sprang ich ins Auto, startete und musste feststellen, dass der hupende Transporter so dicht an meiner Stoßstange stand, dass ich manövrierunfähig war. Ich schaute zum Transporter hoch und erblickte im Führerhäuschen einen jungen Mann, der aussah wie eine Mischung aus tollwütigem tasmanischen Teufel und Pumuckl. Er gestikulierte wie ein Irrer und ich hörte ihn durch 2! geschlossene Autoscheiben (meine und seine) hindurch brüllen: „SCHAFF DICH FORT. SOFORT!!!“ Konnte ich ja aber nicht, weil er mich blockierte. Ganz nach dem Motto: „Blockierst du mich, blockier ich dich.“ Etwas ratlos saß ich im Wagen, merkte, wie mein Stresspegel ob des Gebrülles und der ganzen Situation anfing zu steigen und machte meinerseits eine Geste in seine Richtung, die ihm sagte: „Fahr mal ein Stück zurück!“ 

Unkontrolliertes Gefuchtel und Gebrülle seinerseits. Der neben meinem Wagen stehende Greis, eine Mischung aus Gollum und Catweazel, mit abstehenden Haaren, Hornbrille, Hosenträger und Buckel, brüllte von der Seite her wie ein Leierkastenmann: „Hopp, hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer. Absolutes Halteverbot. Hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer!“ Das brüllte er wirklich. Ist nicht gelogen. Ich dachte zuerst auch, ich hör nicht richtig. Ganz toll. Neben mir der irre Hasen-Grufti, vor mir der wildgewordene Lasterfahrer. Frau Katerwolf manövrierunfähig in ihrem Wagen. Irgendwann, so nach ein paar Minuten, platzte mir der Kragen und ich brüllte Lasterfahrer und Hasen-Greis mit überschnappender Stimme an, sie sollten sofort aufhören, mich so anzubrüllen. Worauf der Lasterfahrer aus seinem Führerhäuschen sprang und auf mich zustapfte wie der Terminator.

*schluck*

Mutig brüllte ich ihn an, er solle sofort aufhören mich anzubrüllen und seinen Laster zurück fahren, damit ich meinen Wagen wegfahren kann. Mutig. Oder dämlich. Merke: Brülle nie einen tobenden Lasterfahrer an. Schaff dich sofort hier weg, du F***e!“ Jawoll, das brüllte er, mitten in der distinguierten Nachbarschaft. Ich muss sagen, dass Frau Katerwolf, eine Mischung aus ungarischem und tschechischem Blut, über ein beachtliches slawisches Temperament verfügt, dass man nicht wecken sollte. Genau das hatte der Lastermann jetzt aber getan. Mein Gesicht zuckte, meine scharfen Eckzähne lugten aus dem Mund, meine Hand schloss sich um den Türgriff. Neben mir ulkte immer noch der Hasen-Grufti: „Hopp, hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer. Absolutes Halteverbot. Hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer!“

Gott-sei-Dank hatte unser Malermeister die Situation beobachtet und kam von hinten an, ganz John Wayne, und stellte sich neben meine Fahrertür. Starren Blickes den Laster-Prolo im Visier.  Der Lastermann wich automatisch vom Auto zurück. Als ich das sah, machte es in mir merklich *pffft* und erleichtert sah ich, dass der Lastermann einstieg und seinen Transporter, immerhin 1 Meter, zurücksetzte. „Fahren Sie jetzt ihren Wagen weg. Ganz ruhig. Einfach wegfahren!“ riet mir der Malermeister. Genau das tat ich dann auch. Wendete und fuhr die Straße hoch. Ob ihr es glaubt oder nicht. Wie ein Kobold galoppierte Hasen-Gollum neben mir her und brüllte seine kranke Hasen-Litanei in mein Auto hinein. Das tat er auch noch, als ich „legal“ einparkte und ausstieg. „Hopp, hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer. Absolutes Halteverbot. Hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer!“ Das war 1x Hoppelhase zuviel.

„Blockwart! Stasi!“ brüllte ich zurück. Woraufhin er irgendwo hinter dem Haus in seiner Gollum-Höhle verschwand. Ich stapfte zurück ins Haus wie Django und schaute in ein paar sehr irritierte und ängstliche Handwerker-Augen. Und in die meines Mannes. Ich kenne diesen Blick. Er kennt mich. Und sagte deshalb: „Zum Glück gibt es in Deutschland ein Waffengesetz. Sonst wären jetzt mindestens 2 Menschen tot.“

Ok, peinlich das Ganze, ich gebs zu. Die Nachbarn wissen nun, dass dieses Blondie nicht nur spaßig ist. Unsere Handwerker auch. Mein Mann weiß das ohnehin. Und Gollum? Hm, vermutlich ist es eine gute Idee, nach vollzogenem Umzug, die liebe Nachbarschaft zum Einweihungs-Gartenfest einzuladen. Wenn sie dann noch leben 😉

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Finsterlinge vs John Wayne

Als ich heute in der Früh meine morgendliche Hunde-Gassi-Runde tätigte, traf ich ein paar wunderliche Finsterlinge. Und zwar standen sie in Kayras Lieblings-Vogel-Rausscheuch-Busch. Bewaffnet mit allerlei Werkzeug. *raschelraschel* Kayra stellte vorsichtshalber den Kamm bis über die Ohren und hatte so Schiss, dass sie nicht mal Augen für ihren Lieblingsfeind, Erwin-das-Eichhörnchen, hatte, das munter im selbigen Busch verschwand. Da stand also ein Trupp Männer im Busch, der mitten aus einem alten, russischen Strafkolonnenfilm hätte stammen können. Üble Finsterlinge. Vermummt. In Armee-Schaff-Klamotten. Hohlwangige, bärtige Gesichter. Tattoos krochen aus dem Kragen über den Hals bis ins Gesicht hinauf. Piercings querbeet. Schwarze Brunnenaugen. Noch dunklere Blicke.

Himmel, wo kamen die denn her? Meine Güte. Vor lauter Schreck blieb ich stehen. Gegenseitiges Anstarren. 5 Finsterlinge versus Katerwolf und 2 Hunde-Augenpaare. eins ängstlich (Kayra), das andere finster (Joschi). Joschi kann noch finsterer gucken als der Höllenhund der Höllenhunde. Das ist allgemein bekannt.

Finsteren Blicks machte Joschi ein paar Schritte in Richtung Finsterlinge, ordnete sich in ihrer Gruppe ein, machte einen krummen Buckel und machte einen respektablen Haufen. Scharrte imposant herum und verließ finsteren Blickes die Strafkolonne. John Wayne hätte ihm Respekt gezollt. Joschi ist einfach eine coole Sau.

Im Übrigen brach er durch diese Aktion das Eis und alle fingen an zu lachen. Und ich bekam ein paar nette Komplimente 😉

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