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Geliebtes Indien – Ein Reisebericht, Teil 6: Varkala, rote Klippen, Erleuchtete und Bollywood

Varkala hat Flair. Ein ganz besonderes Flair. Egal, ob man „oben“ an der Ladenzeile entlang flaniert, ob man in einem der zahlreichen Cafés sitzt oder ob man „unten“ am Strand abhängt: das rote Cliff beherrscht den Blick, ebenso wie das weite Meer, der Himmel und die Melange des Publikums. Scheint die Sonne, leuchtet das Cliff regelrecht, man kann dann die Augen nicht davon abwenden. Ein echtes Naturwunder! Ich muss das Foto einfach nochmal posten. Ich muss, ich muss, ich muss!

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Genauso spannend ist es, das Varkala-Völkchen zu beobachten. Da wären erstmal die Einheimischen. Erstaunlich viele Tibeter, die in Varkala ihre kleinen Shops eröffnet haben, aber auch Kashmiris und natürlich „echte“ Inder. In allen Farben, alle freundlich, entspannt.

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Als wir dort waren, gab es ein wenig Sorge wegen des für diese Jahreszeit nur spärlichen Tourismus. Was für uns Grund zur Freude war, ist für die Händler natürlich Leid. Es wurde darüber spekuliert, woran das liegen mag. Allgemein lässt sich sagen, dass die Verwirrung über Vogelgrippe und Ebola einen großen Anteil daran trägt – wobei viele das auch verwechseln. Ich traf eine leicht konfuse, junge Schweizerin, die der festen Überzeugung war, Ebola würde durch Enten übertragen.

Lässt mich sich ein bisschen Zeit und plaudert mit den Menschen, erfährt man viel Persönliches und schließt schnell Freundschaften. Die Händler kennen einen nach 1 Tag und wissen ganz genau, ob man ihnen versprochen hat, morgen oder übermorgen im Shop vorbeizuschauen. Man ist überall im Blick. Eines Nachmittags, als ich auf dem Hotelbalkon saß, mit Blick über die Straße aufs Meer, hörte ich plötzlich von unten: „Hello, Mam, hello, remember me? You promised yesterday, to come to my shop today? You come? You look beautiful!“ Wo er Recht hat, hat er Recht 🙂

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Wen auch immer so etwas nervt, ich liebe das. Einfach aus dem Grund, weil die Menschen dabei immer freundlich sind, nie wirklich aufdringlich. Läuft man  freundlich und offen durch die Gegend, schafft meine keine Straße ohne Small-Talk. „Beautiful climate“, „First time Kerala?“ „Nice dress!“ „Very good looking!“

Natürlich waren wir am Strand. Schon Wochen, bevor wir losflogen, hatte ich Strandvisionen. Hach, tat das gut, seine Knochen in den warmen Sand zu betten, sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen und sich ab  und an wie eine Robbe in die Fluten zu schmeißen. Neugierig, wie ich bin, war ich jedoch fast die ganze Zeit im Beobachtermodus. Auf dem Strand war aber auch was los. Bollywood, wie es leibt und lebt. Natürlich gab es ein internationales Touristenvölkchen, skurril gemischt: waschechte Freaks, Surfer, die üblichen Indien-Kiffer, junge Rucksackreisende, ältere Individualreisende, Normalos, Rentner und sehr viele Yoga-Lernende oder -Suchende. Letztere erkennt man übrigens an einem überzeugend geraden Rücken und einem wissenden *bling bling* in den Augen. Das Strandbild beherrschten jedoch die indischen Touristen. Und das, liebe Leser, ist Bollywood in Reinform. Die leben ihre Freizeit mit Haut und Haar. Herrlich und so lustig auch, ich hätt´ mir die Augen aus dem Kopf schauen können.

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Mir wurde gesagt, dass viele Inder nicht schwimmen können. Was sie jedoch nicht davon abhält, ins Meer zu springen. War so die Präsenz zweier sehr engagierter Rettungsschwimmer an unserem Strand zu erklären? Das war ein Schauspiel, ich kann euch sagen. Da wir uns ja im Land der Reinkarnation, also der Wiedergeburt, befanden, war im Chef der Rettungsschwimmer mit absoluter Gewissheit Louis de Funès wiedergeboren. Mit seinem Assistenten beherrschte er den Strand, raste cholerisch gestikulierend am Strand umher, pfiff in seine Trillerpfeife und holte einen beleidigten Inder nach dem anderen aus den Fluten. Zum Brüllen 🙂

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Es gibt an den endlosen Stränden von Varkala auch ganz, ganz ruhige, abgelegene Strandabschnitte, aber mir gefiel dieser am besten. Okay, ich schaue auch gerne Bollywoodfilme 😉

Bewegt man sich in Varkala ein wenig vom North Cliff weg, zum South Cliff, wird alles noch ruhiger, beschaulicher, und tappt man dann von dort ein Stück ins Landesinnere, umfängt einen sogleich das ursprüngliche indische Dorfleben.

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Varkala, immer noch ein Fischerdorf, ist auch ein Ort der Gaumenfreuden. Es bereitet ein großes Vergnügen, in den bunt angemalten, terrassenartig ausgelegten kleinen Restaurants die leckersten Dinge zu futtern.

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Typische Kerala-Küche, für die Magenmüden auch Pasta und Pizza, und abends verwandelt sich der Klippenpfad in eine Fisch-Gourmet-Meile. Hier wird der „Catch of the day“ präsentiert, dramatisch ausgeleuchtet und lauthals angepriesen. Man wählt zwischen Tandoori-Style, Lemon-Garlic oder was man sonst für Wünsche hat. Ich bin ja leider Opfer einer lästigen Fischallergie und war abends daher nicht völlig frei von Neid, als ich meinem Mann bei der allabendlichen Fischverspeisung zusehen musste. So geht übrigens Tandoori:

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Aber auch als Fischverächter kommt man auf seine Kosten. Ich habe so gut gegessen, dass ich es am liebsten den ganzen Tag tat.

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Dennoch war das Abendessen immer das Highlight – so schön, der bunt beleuchtete Pfad und die Restaurants, so schön, oben auf der Terrasse zu sitzen, den Blick auf das bunte Treiben unter einem oder auf das nächtliche Meer gerichtet, Cat Stevens im Ohr und einen himmlischen Sonnenuntergang vor den Augen.

Am liebsten bei einem Sundowner, ganz nach dem Motto: Buy 1, get one free 🙂

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Ach Varkala, I very miss you!

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Geliebtes Indien – Ein Reisebericht, Teil 2: Kochi, Kerala

Fort Kochi ist eine wunderbare Stadt. Nicht sehr groß, man findet sich innerhalb eines halben Tages prima zurecht und hat einen „Plan“ von der Stadt. Typisch indisch, aber dennoch etwas anders, ruhiger, entspannter als die Städte im Norden. So war auch unser Gesamteindruck von Kerala. Indien für Anfänger, sozusagen 😉 Kerala hat übrigens einen wunderbar passenden Slogan, hier am unteren Rand dieses Schildes zu sehen:

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Treffend. Man ist kaum 1 Stunde in Kerala unterwegs und schon hat man ein dickes fettes SMILE im Gesicht. Weil es so schön ist. So warm. Weil die Menschen einen alle anlächeln. Weil man zurücklächelt. Weil alle immer freundlich sind. Ich finde, allein das ist die Reise wert, diese Freundlichkeit entspannt die Seele enorm. Fort Kochi hat den typischen, leicht morbiden Charme einer ehemaligen Kolonialstadt. Prächtige Bauten, aber alle etwas verwittert. Hier und da prachtvoll erhaltene Häuser, so etwa der Old Courtyard, wo man eine gepflegte tea-time einnehmen kann. Durch Fort Kochi eilt man nicht, man flaniert. Hierhin, dorthin, am Wasser entlang, vorbei an den weltberühmten Fischernetzen, über die mit bunten indischen Sonntagstouristen gefüllte Strandpromenade, zurück in das Gassenlabyrinth voller kleiner Geschäfte, Teeläden, Restaurants, die Zeit fängt an sich zu dehnen, wird langsamer, der Pulsschlag geht zurück, das Herz macht gechillt bu-u-u-m bu-u-um. Welch Luxus.

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Wir verbrachten 3 ausnehmend schöne Tage in Fort Kochi, bevor wir in Richtung Backwaters aufbrachen. Wir ließen und treiben, tranken hier ein Tee mit Schokokuchen, aßen dort ein Masala mit einem herrlich kühlen Bier, saßen an der Promenade und beobachteten das Treiben der Fischer, später die Geschäftigkeit der Händler in Jew town, dem jüdischen Viertel. Am Abend schauten wir uns ein Kathakali Tanztheater an – auch hierfür ist Kerala berühmt. Kathakali ist, nun, wie soll man sagen, es ist speziell. Das Studium dauert Jahre. Man lernt die überaus komplizierte Schminkkunst. Ein Teil jeder Aufführung ist die mehrstündige, für das Publikum öffentliche, Schminkprozedur. Die Schauspieler erlernen über Jahre eine äußerst schwierige Form der fast rein mimisch-gestischen Darstellung. Jeder Augenschlag ein Symbol für eine bestimmte Emotion. Hammerhart. Ich habe noch nie zuvor jemanden auf Kommando mit den Backen wackeln gesehen, während sich die Augen im Kreis drehten, Das muss man mal gesehen haben! Nach der Vorbereitung zeigen die Schauspieler zumeist Episoden aus dem Ramayana, dem religiösen Landes-Epos. Stundenlang. Begleitet von einer sehr gewöhnungsbedürftigen Musik, die ein wenig wie Katzenmusik klingt. Versteht mich nicht falsch, das zu sehen, ist einmalig, einzigartig, bemerkenswert. Ich kam jedoch nicht umhin, dass in meinem Kopf der Gedanke herumschwirrte: „Das ist Ohnsorg-Theater. Das ist indisches Ohnsorg-Theater, Wo ist Heidi Kabel?“ Nach 1 /2 Stunden erlöste ich meinen leicht verzweifelt aussehenden Mann und wir flüchteten ins Freie. Vor dem Eingang stritt ein deutsches Pärchen, das ich zuvor im Theatersaal sichtete. „Nie mehr!“ bekam ich vom Gatten zu hören. Ok, ist nicht schlimm.

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