Monatsarchiv: März 2013

Wie im wilden Westen

Hattet ihr schon mal das intensive Bedürfnis, euch zu prügeln? So richtig wie im Wilden Westen, saubere Saloon-Prügelei, Zähne und Stühle fliegen, Flaschen zerschellen auf dem Kopf? Nein? Ich schon. Gestern.

Wie jeden Tag fuhr ich zur Baustelle unseres neuen Hauses, wollte rasch was mit den Handwerkern besprechen. Unsere neue Straße ist eine recht steil ansteigende, schmale Straße, die wenig Parkmöglichkeiten bietet und ein Stückchen oberhalb unseres Hauses in einer Sackgasse mündet, direkt am Wald. 2 Autos kommen gerade mal so aneinander vorbei, parken Autos auf den zulässigen Parkflächen, wird es schon schwierig und erfordert ein gut sozialisiertes Straßenverhalten.  Die derzeitige Nachbarschaft setzt sich aus distinguierten Gruftis zusammen, die offenbar schon seit mehreren Jahrhunderten in der Straße wohnen und ihre Gruft auch tagsüber verlassen, schattengleich in der Straße herumschleichen, Ordnungswidrigkeiten aufspüren und gerne auch mal die Polizeit rufen. Man nennt sowas Nachbarschafts-Petzen. Das ist freundlich. Unfreundlich ist: Nachbarschafts-Stasi. Trifft es aber auch ganz gut. Erfreulicherweise findet in der Straße neuerdings ein Genrationswechsel statt. Die Alten sterben weg und viele junge und mittelalte Familien und Paare ziehen hinzu. Denkt jetzt nicht, ich sei respektlos, wegen „die Alten sterben weg“ und so. Ich respektiere das Alter sehr, sehr, sehr. Aber nicht alles, was alt ist, ist auch nett.

Ein Stück hinter unserem Haus ist ein wunderschöner Kindergarten. Zwischen 16 und 17 Uhr werden die lieben Kleinen von ihren Mamis abgeholt. Ich vermute, diese Zeit ist eine sehr sensible Zeit, denn die Mamis parken ihre Kinder-Combi-Kutschen, die man gut an zahlreichen Kindersitzen und so lustigen Aufklebern wie z. Bsp. Chantal-Angélique und Kevin-Marc-Spencer an Bord sowie an kreativen Parkmethoden erkennen kann. Wenn die Mamis nun ihre Kutschen kreativ auf den spärlichen Parkplätzen parken, entsteht ein harter Verteilungskampf mit den Anwohnern und durchfahrenden Autos, die nun nur erschwert passieren können. Das Ganze dauert vielleicht 30 Minuten und dann ist der Spuk vorbei. In urdeutscher Manier entsteht in dieser Stoßzeit ein erhöhter Stresspegel, und auch die Anwohner-Gruftis schleichen in dieser Zeit sensationslüstern vermehrt durch die Straße.

Unglücklicherweise blockieren derzeit auch unsere Handwerker die eine oder andere Durchfahrtmöglichkeit, man kann es ihnen noch so oft sagen, sie stellen ihre Autos doch dahin. Bislang ging alles gut. Keine Anzeigen, keine festgeketteten Rentner an der Radkappe. Gestern suchte ich mir genau diese Zeit aus, um auf die Baustelle zu fahren. Nach ergebnisloser Parkplatzsuche und genervter Blicke in Richtung schnackender Mamis neben kreativ parkenden Kutschen, stellte ich meinen Wagen kurzentschlossen ins absolute Halteverbot, lief um den Wagen herum, um zu sehen, ob ich die Straße blockierte, dem war nicht so und eilte ins Haus. Kaum war ich drin, hörte ich draußen tumultartigen Lärm und ein Handwerker kam hektisch reingelaufen und sagte, es wäre besser, wenn ich sofort meinen Wagen wegfahren würde. Ich also wieder raus, wo sich mir folgendes Bild bot:

Ein mittelgroßer Transportlaster vor meiner Kühlerhaube, hupend, dahinter 3 Autos, hupend, auf dem Bürgersteig ein Grufti, mehrere Kompostis an offenen Wohnzimmerfenstern, zum Teil mit Kissenpolster. Aha. Behende sprang ich ins Auto, startete und musste feststellen, dass der hupende Transporter so dicht an meiner Stoßstange stand, dass ich manövrierunfähig war. Ich schaute zum Transporter hoch und erblickte im Führerhäuschen einen jungen Mann, der aussah wie eine Mischung aus tollwütigem tasmanischen Teufel und Pumuckl. Er gestikulierte wie ein Irrer und ich hörte ihn durch 2! geschlossene Autoscheiben (meine und seine) hindurch brüllen: „SCHAFF DICH FORT. SOFORT!!!“ Konnte ich ja aber nicht, weil er mich blockierte. Ganz nach dem Motto: „Blockierst du mich, blockier ich dich.“ Etwas ratlos saß ich im Wagen, merkte, wie mein Stresspegel ob des Gebrülles und der ganzen Situation anfing zu steigen und machte meinerseits eine Geste in seine Richtung, die ihm sagte: „Fahr mal ein Stück zurück!“ 

Unkontrolliertes Gefuchtel und Gebrülle seinerseits. Der neben meinem Wagen stehende Greis, eine Mischung aus Gollum und Catweazel, mit abstehenden Haaren, Hornbrille, Hosenträger und Buckel, brüllte von der Seite her wie ein Leierkastenmann: „Hopp, hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer. Absolutes Halteverbot. Hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer!“ Das brüllte er wirklich. Ist nicht gelogen. Ich dachte zuerst auch, ich hör nicht richtig. Ganz toll. Neben mir der irre Hasen-Grufti, vor mir der wildgewordene Lasterfahrer. Frau Katerwolf manövrierunfähig in ihrem Wagen. Irgendwann, so nach ein paar Minuten, platzte mir der Kragen und ich brüllte Lasterfahrer und Hasen-Greis mit überschnappender Stimme an, sie sollten sofort aufhören, mich so anzubrüllen. Worauf der Lasterfahrer aus seinem Führerhäuschen sprang und auf mich zustapfte wie der Terminator.

*schluck*

Mutig brüllte ich ihn an, er solle sofort aufhören mich anzubrüllen und seinen Laster zurück fahren, damit ich meinen Wagen wegfahren kann. Mutig. Oder dämlich. Merke: Brülle nie einen tobenden Lasterfahrer an. Schaff dich sofort hier weg, du F***e!“ Jawoll, das brüllte er, mitten in der distinguierten Nachbarschaft. Ich muss sagen, dass Frau Katerwolf, eine Mischung aus ungarischem und tschechischem Blut, über ein beachtliches slawisches Temperament verfügt, dass man nicht wecken sollte. Genau das hatte der Lastermann jetzt aber getan. Mein Gesicht zuckte, meine scharfen Eckzähne lugten aus dem Mund, meine Hand schloss sich um den Türgriff. Neben mir ulkte immer noch der Hasen-Grufti: „Hopp, hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer. Absolutes Halteverbot. Hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer!“

Gott-sei-Dank hatte unser Malermeister die Situation beobachtet und kam von hinten an, ganz John Wayne, und stellte sich neben meine Fahrertür. Starren Blickes den Laster-Prolo im Visier.  Der Lastermann wich automatisch vom Auto zurück. Als ich das sah, machte es in mir merklich *pffft* und erleichtert sah ich, dass der Lastermann einstieg und seinen Transporter, immerhin 1 Meter, zurücksetzte. „Fahren Sie jetzt ihren Wagen weg. Ganz ruhig. Einfach wegfahren!“ riet mir der Malermeister. Genau das tat ich dann auch. Wendete und fuhr die Straße hoch. Ob ihr es glaubt oder nicht. Wie ein Kobold galoppierte Hasen-Gollum neben mir her und brüllte seine kranke Hasen-Litanei in mein Auto hinein. Das tat er auch noch, als ich „legal“ einparkte und ausstieg. „Hopp, hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer. Absolutes Halteverbot. Hopp, hopp, wie die Hasen, kreuz und quer!“ Das war 1x Hoppelhase zuviel.

„Blockwart! Stasi!“ brüllte ich zurück. Woraufhin er irgendwo hinter dem Haus in seiner Gollum-Höhle verschwand. Ich stapfte zurück ins Haus wie Django und schaute in ein paar sehr irritierte und ängstliche Handwerker-Augen. Und in die meines Mannes. Ich kenne diesen Blick. Er kennt mich. Und sagte deshalb: „Zum Glück gibt es in Deutschland ein Waffengesetz. Sonst wären jetzt mindestens 2 Menschen tot.“

Ok, peinlich das Ganze, ich gebs zu. Die Nachbarn wissen nun, dass dieses Blondie nicht nur spaßig ist. Unsere Handwerker auch. Mein Mann weiß das ohnehin. Und Gollum? Hm, vermutlich ist es eine gute Idee, nach vollzogenem Umzug, die liebe Nachbarschaft zum Einweihungs-Gartenfest einzuladen. Wenn sie dann noch leben 😉

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Herrscher der Enten

Mit Hunden erlebt man viele Abenteuer, sie sind immer für Überraschungen gut! Unser Tibet Terrier Joschi, Hütehund mit Leib und Seele mit angeborenem Größenwahn, hütet seit ein paar tagen die Enten auf unserem Nachbarschaftsteich. Er geht seit 10 Jahren nahezu täglich am Teich spazieren. Immer schon gab es dort Enten. Nie haben sie ihn interessiert. Aber jetzt. Als Kayra, unser türkischer Neuzuwachs, vor ein paar Tagen erstmals ihre braunen Pfoten ins kühle Nass steckte und mit spitzen Zähnen ein Stöckchen herauszog, musste Joschi natürlich auch seine Pfoten ins Nass stecken und schauen, was Kayra macht. Und da entdeckte er plötzlich die Enten. Die seitdem gehütet werden. Ob es ihnen passt oder nicht. Kayra unterstützt ihn ein wenig, auch wenn ihr dazu Joschis Ausdauer, Starrsinn und Strategie fehlt. Die Enten nehmen das übrigens sehr gelassen, schwimmen träge am Ufer entlang und grinsen Joschi und Kayra, die achtsam am Ufer stehen, schnabelig an. Das Ganze ist so extrem goldig, dass ich heute meine Kamera mitgenommen habe, um das kleine Abenteuer festzuhalten. Seht selbst:

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Max & Moritz

Ich lebe noch und bin nicht, wie Blogolade schon befürchtet, eingeschneit. Vor lauter Abenteuern komme ich derzeit kaum zum Bloggen. Und übe mich stattdessen im Spagat zwischen Umbau neues Haus, Verkauf altes Haus, Umzugsvorbereitungen, Job, Familie und Privatzoo. Da wird es nicht langweilig 😉

Ich will euch aber rasch ein paar Abenteuer von dem lieben Joschi und der lieben Kayra erzählen. Meistens lieb jedenfalls. Kayra ist nach wie vor im Flegelalter mit ihren mittlerweile 11 Monaten. Und der Joschi, der im Mai 10 wird, hat auch nur Flausen im Kopf. So denkt Joschi, der Hütehund unter den Hütehunden seit neustem, er sei ein Jagdhund. Dabei ist Kayra der Jagdhund. Aber wer Joschi kennt und um seine Intelligenz und von Eifersucht genährten Ehrgeiz weiß, den wundert es nicht, dass er nun natürlich ein VIEL größerer Jagdhund als Kayra sein muss.

Bei der gestrigen, sehr späten, Abend-Gassi-Runde hatte er sein Coming Out. Und jagte, gefolgt von Kayra, eine Katze. Wobei sich Joschi mal wieder als der Einstein im Doppel Kayra-Joschi erwies. Sie jagten eine schwarze, wuschelige Katze in einem Affenzahn unter ein Auto. Kayra lief dann kläffend die Straße weiter hinab, nur Joschi blieb beim Auto, stellte sich auf die Hinterbeine, Vorderbeine am Auto abgestützt und hüpfte dergestalt einmal um das Auto herum. Beeindruckend. Kayra kam zurückgerast, schnallte nicht so recht, was los war und kläffte einfach mal weiter. Irgendwann wurde es der Katze zu bunt, und sie schoss unter dem Auto heraus, ab in den Vorgarten gegenüber. Joschi und Kayra hinterher, beide unsägliche Jagdgeräusche von sich gebend. Oh Mann. Ich habe sie dann irgendwie beide eingefangen und angeleint und beide jaulten wie die Irren. Zwischenzeitlich gingen in der nächtlichen Straße hier und da die Lichter an und Rolläden wurden hochgezogen, während ich mich mit den beiden Bestien im Schlepptau schnell vom Acker machte.

Ach ja, und noch was: Der Joschi hütet seit heute Morgen Enten. In unserem kleinen Nachbarschaftsweiher. Er  hütet sie und treibt sie am Ufer entlang. Die Enten nehmen das ganz gelassen und schwimmen relaxed hin und her. Er sieht extrem glücklich aus dabei. Ein Mops, der heute Morgen herantrabte um zu sehen, was da vor sich geht, wurde von Joschi unbarmherzig niedergemäht. Joschis Enten. Mache mir heute ein Späßchen daraus, zu rufen:„Joschi, wo sind die ENTEN?“ und zuzusehen, wie Joschi abdüst und überall Enten sucht 😉

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Finsterlinge vs John Wayne

Als ich heute in der Früh meine morgendliche Hunde-Gassi-Runde tätigte, traf ich ein paar wunderliche Finsterlinge. Und zwar standen sie in Kayras Lieblings-Vogel-Rausscheuch-Busch. Bewaffnet mit allerlei Werkzeug. *raschelraschel* Kayra stellte vorsichtshalber den Kamm bis über die Ohren und hatte so Schiss, dass sie nicht mal Augen für ihren Lieblingsfeind, Erwin-das-Eichhörnchen, hatte, das munter im selbigen Busch verschwand. Da stand also ein Trupp Männer im Busch, der mitten aus einem alten, russischen Strafkolonnenfilm hätte stammen können. Üble Finsterlinge. Vermummt. In Armee-Schaff-Klamotten. Hohlwangige, bärtige Gesichter. Tattoos krochen aus dem Kragen über den Hals bis ins Gesicht hinauf. Piercings querbeet. Schwarze Brunnenaugen. Noch dunklere Blicke.

Himmel, wo kamen die denn her? Meine Güte. Vor lauter Schreck blieb ich stehen. Gegenseitiges Anstarren. 5 Finsterlinge versus Katerwolf und 2 Hunde-Augenpaare. eins ängstlich (Kayra), das andere finster (Joschi). Joschi kann noch finsterer gucken als der Höllenhund der Höllenhunde. Das ist allgemein bekannt.

Finsteren Blicks machte Joschi ein paar Schritte in Richtung Finsterlinge, ordnete sich in ihrer Gruppe ein, machte einen krummen Buckel und machte einen respektablen Haufen. Scharrte imposant herum und verließ finsteren Blickes die Strafkolonne. John Wayne hätte ihm Respekt gezollt. Joschi ist einfach eine coole Sau.

Im Übrigen brach er durch diese Aktion das Eis und alle fingen an zu lachen. Und ich bekam ein paar nette Komplimente 😉

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Das Leben ist schön!

Hier war es die letzten 2 Wochen still. In mir tobte ein Sturm. Ein Angststurm, Shitstorm. Denn vor genau 2 Wochen ergab meine Nachsorge, dass in meiner Gebärmutter etwas drin war, was nicht reingehörte, deswegen rausgeschnitten und untersucht werden musste. Im Klartext: Krebsverdacht. Heftige 2 Wochen, wie ihr euch denken könnt, ihr kennt meine Vorgeschichte. Heute die Nachkontrolle und die Untersuchungsergebnisse: ALLES IST GUT! Gut! Gut!

Ich bin unendlich erleichtert und bald gibt es hier wieder Lach- und Sachgeschichten rund um Katerwolf & Sippe 🙂

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