180 km auf dem Pferderücken durch Irland, Teil 3

Hatte ich nicht noch ein paar Pferdeleckerli in meiner Regenjacke? Kram, kram, oh ja, da waren sie ja. 10 Stück. 2 für jeden Tag. Damit müsste ich Chaddagh doch bestechen können. Tara ging es am nächsten Morgen leider noch schlechter, Mist, ich schlug ihr vor, 1 Tag auszusetzen, aber sie wollte nichts verpassen, logisch.

Nach einem weiteren, immens üppigem, irischen Frühstück ging es auf zum eigentlichen Trail. Die Stimmung in der Gruppe war großartig. Deutlich sicherer als am 1. Tag holten wir die Pferde von der Weide und sattelten sie. Sie hatten sich an diesem Morgen etwas besonders Nettes ausgedacht. Sie erwarteten uns am hintersten, schlammigsten Ende der Wiese. Ich schwöre, sie haben gegrinst, als wir uns ihnen näherten.

 

 

 

 

 

Heimlich schob ich Chaddagh ein Leckerli ins Maul. Völlig desinteressiert an mir vertilgte sie es und schaute geflissentlich an mir vorbei. Pute. Natürlich gab es im Vorfeld fleißige Diskussionen darüber, ob und wann man sich beim Wanderritt wundreiten würde. Immerhin saßen wir täglich 5-7 Stunden im Sattel. Ich hatte mir vorsorglich eine gepolsterte Reitunterhose gekauft und diese, muss ich sagen, trug mich wundlos durch den Wanderritt. Ein Wanderritt hat den immensen Vorteil, dass man nicht nur reiterlich auf seine Kosten kommt, sondern mit dem Pferd in Gebiete vorstoßen, in die man ansonst, wenn überhaupt, nur mühsamst zu Fuß käme. So drangen wir gleich am ersten Trailtag tief in die irische Natur ein und ritten durch grandiose Torf- und Moorlandschaften, wateten durch kniehohen Morast und staunten wie die Blöden, dass die Pferde das einfach so konnten. Und dann dieser Galopp. Immer wieder dieser Galopp. Wir waren am zweiten Reittag schon so angefixt, dass wir die Pferde sogar noch antrieben und diese sich flach machten um noch schneller galoppieren zu können. Wenn wir Schritt gingen oder trabten, ließen wir den Blick schweifen und labten uns an dem satten Grün, dem Blick in weite Täler, über schimmernde Seen, Waldwipfel am fernen Horizont.

 

 

 

 

 

Am 1. Trailtag war es bedeckt und wie auch an den folgenden Tagen dominierte die Frage nach dem Nachmittagswetter die Mittagspause. „Will it rain, Nikola?“ „Will it rain, Bertie?“ wollten wir wissen. „Maybe.“ War die immergleiche Antwort. Optimisten, die wir waren, bestritten wir den Nachmittag „nur“ in Regenjacken, ohne Regenhosen und prompt regnete es 2 Stunden. Quietschnass kamen wir im Abendlager an. Quietschnass, aber glücklich. Ich entließ eine zwar mit Leckerli bestochene, aber nach wie vor völlig gleichmütige Chaddagh in the fields. Arschkröte.

Tara indes ging es echt mies. Sie hatte den Tag gerade so überlebt und hing abends völlig schlapp am Essenstisch. Hanna, eine pragmatisch freundliche Mitreiterin schlug Tara vor, Belladonna-Kügelchen einzunehmen. Tara, die NULL öko und so ist, musste es echt sehr schlecht gegangen sein, da sie die Kügelchen tatsächlich einnahm. Ob ihr es glaubt oder nicht. 1 Stunde später war sie der voll gesundete Speedomat. Hexerei, ich sags euch. Das war natürlich super, denn ab dem Zeitpunkt konnte sie den Trail erst richtig genießen und kein Galopp war nun schnell genug.

Kategorien: Reiseabenteuer | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , | 26 Kommentare

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26 Gedanken zu „180 km auf dem Pferderücken durch Irland, Teil 3

  1. Ich wünschte, ich könnte reiten. Das klingt alles toll!!!

  2. Was sind das für wunderschöne Bilder! Und ich bin doch sehr sicher, dass du es bis zum Schluss schafen wirst, das Pferdeherz deiner „Zicke“ zu erobern. 😉
    Ich wünsche dir ein herrliches und unbeschwertes Wochenende!

  3. april

    Wunderschön. Das ist wahrscheinlich die beste Art, durch dieses Land zu reisen.

  4. Ah, ich falle ab vom Glauben! Zucker hat geholfen, ich will das nicht glauben 😉
    Aber vielleicht war’s ja auch ein Leprechaun oder ein anderer Kobold, der die Krankheit besiegt hat …

    • Leprazaun??? 😉
      Du weißt ja: Glaube versetzt Berge!

      • Die irische Feen- und Koboldszene hat erstaunlichen Einfluss und bringt sogar Zuckerkügelchen zur Wirkung 😉 Vielleicht seid Ihr auch an einem Feenhügel vorbeigeritten, und jemand dort hat gedacht „Ich schau abends einfach mal vorbei bei denen“ …

  5. 😉 http://de.wikipedia.org/wiki/Leprechaun

    Wie immer reise ich jetzt lesend mit Dir und geniesse das sehr.
    lieben gruss
    sue

  6. Genau, diese Moorlandschaften, die so grau ausschaun, die haben mich genervt, lach.
    die sahen so uninteressant für mich aus. Und die zoooogen sich.
    Chaddah scheint echt resistent zu sein.
    Mensch, diese Belladonna-Kugeln hatten ja durchschlagenden Erfolg. Das ist ja genial. Darüber muss ich mich doch mal informieren.
    Obwohl wir auf Propolis bei sowas schwören…

  7. Hmpf….!!! Grün (vor Neid 😉 ) schimmerndes Etwas sitz in Am-Wochenende-Tote-Hose Reha-Klinik im tiefsten Black-Forest vorm Läppi und träumt sich in deine Reiseerlebnisse 🙂

    • Du Arme, ich kenne diese öden Reha-Wochenenden gut. Da hilft nur frische Luft und raus aus der Klinik und ein gutes Buch!

  8. Brigitte

    Gepolsterte Unnerbüx???? Sieht bestimmt voll cool aus!!!! Wie gut, dass deine Freundin nicht abbrechen musste. Das wäre für Euch beide sehr doof gewesen.
    Liebe Grüsse Brigitte

  9. Sehr schöne Bilder, sehr schöne Art zu reisen! Ich werde mich erkundigen, ob man solche Touren auch in Neuseeland machen kann, vielen Dank für die Inspiration. 🙂

  10. Hallo liebe Katerwolf,
    da wünsche ich Dir ganz viel Spass mit Deinem neuen Blog. Ich freue mich mit Dir, dass Du die „alten Geschichten“ nun hinter Dir lässt und Dich auf Deine vielen Abenteuer konzentrierst!
    Ich bin gespannt auf Deine weiteren Berichte,
    liebe Grüße von Dori

  11. Das liest sich wieder wunderbar 😉 Auch wenn ich das Glücksgefühl beim Galopp nicht nachempfinden kann, Deine Beschreibung lässt einen aber ahnen, wie das sein muss. Bin gespannt auf die Fortsetzung.
    LG Carina

  12. belladonna??! das hat aber hoffentlich nichts mit dem zeug zu tun, das sich die burgbewohner-edelfrauen in die augen träufelten, damit die pupillen größer und sie selbst damit attraktiver wurden? o-o leider waren sie deshalb alle fast blind, nach einiger zeit mit dem tollkirschenzeug in den augen .. zuckerzeug klingt aber ja anders, da bin ich beruhigt. 😉

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