180 km auf dem Pferderücken durch Irland, Teil 1

Es war schon immer mein Traum gewesen, in Irland reiten zu gehen. Schon immer, immer, immer. Den Traum Irland scheine ich mit vielen Menschen zu teilen, denn als ich erzählte, diesen Traum im August umsetzen zu wollen, hörte ich von allen Seiten: „Ohhh, davon habe ich schon immer mal geträumt. Irland muss soooo schön sein!“ Ich beschloss, meine Erwartungen sicherheitshalber runterzufahren, falls Irland dann doch nicht so schön sein und falls es nur regnen sollte. Ich kann euch schon gleich sagen: Irland ist genauso schön, wie ich es mir erträumt hatte. Ach was, noch viel schöner. Und so viel regnet es gar nicht.

Bereits Anfang des Jahres hatte ich mit meiner Freundin Tara, mit der ich vor 2 Jahren bereits in Polen reiten war, einen Wanderritt durch Clare und Galway County im Westen Irlands gebucht. Seitdem stieg die Vorfreude konstant. Anfang August starteten wir mit ausreichend schweren Koffern, da wir alle Wetterlagen einplanten und fluchten 10 Tage lang über die elend schweren Koffer. Der nächste Wanderritt findet definitiv mit halb so viel Gepäck statt. Wir flogen von Frankfurt nach Dublin und hatten vorab im Internet Bustickets vom Flughafen nach Birdhill gekauft, wo uns ein Transfer zur Ranch bringen sollte. Birdhill, der Vogelberg, witzelten wir beim Hinflug. Das Witzeln verging uns aber, als wir am Flughafen hektisch in den falschen Bus stiegen und, na ja, über Umwege nach Birdhill gelangten. Ich sage nur: Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Vor allem, wenn man 2 tonnenschwere Rollkoffer durch halb Dublin rollt, weil man a) in den falschen Bus gestiegen und b) falsch ausgestiegen ist. Aber am Ende war alles gut. Wir einigten uns darauf, dass wir Dublin sonst nie so gesehen hätten und dass es auch ganz gut tat, nach dem langen Sitzen die Beine zu vertreten😉

Leicht erschlagen saßen wir im komfortablen Überlandbus und ließen die ersten Eindrücke auf uns einwirken: Grün. Grün, grün, grün. Saftiges Grün. Auffallend helles Grün. Tiefes, dunkles Grün. Grün. Wow, Irland ist wirklich, nun ja, grün! Überall Pferde. Cottages. Border Collies vor den Häusern. Kleine Städtchen und Dörfer in der Sonne (jawohl, Sonne!), mit bunten Fassaden und Pubs an jeder Ecke. Irland sieht wirklich so aus, wie man es sich vorstellt. Am liebsten wären wir an jeder Ecke ausgestiegen und hätten laut gerufen: „IST das schön hier!“

Wir hatten im Bus gleich einen Einstieg in den bekannten irischen Humor. „Können Sie uns bitte sagen, wann Birdhill kommt? Dort müssen wir aussteigen,“ baten wir einen der beiden Busfahrer. „Hey Ian, sag den beiden blonden girls bloß nicht, wann birdhill kommt, ok? Auf gar.keinen.Fall, verstanden? Niemals!“ raunte Busfahrer 1 Busfahrer 2 zu. Großes Gelächter. Die haben was, die irischen Jungs😉 Unsere Frage war durchaus berechtigt, da die irischen Überlandbusse einfach überall dort anhalten, wo Passagiere aussteigen wollen. Man weiß nie so recht, was eine Haltestelle ist und was nicht. Schließlich stiegen wir in Birdhill aus. Hämmernde Metropole Birdhill😉 Wir zerrten unsere Containerkoffer aus dem Bus und schauten uns um. Ein kleiner Transporter stand auf der anderen Straßenseite, aus dem offenen Fenster schmunzelte uns belustigt ein Ire an, stellte sich als Bertie vor und fragte uns, ob das mit den Koffern unser Ernst sei. *schäm*. Aufgeregt stiegen wir ein, luden 20 Meter weiter noch 2 schwedische Mitreiterinnen ein und fuhren plappernd los. Bertie erzählte uns etwas, das sich anhörte wie „örlöwörlobörlo,“ und eindeutig Irisch sein musste. Oh Gott, absolut unverständlich. Ich habe so angestrengt versucht zuzuhören, dass mir hinterher der Nacken wehtat. Da ich nichts verstand, grinste ich lieb und wiederholte rhythmisch: „Okay, okay.“

Wir fuhren ein Weilchen am grandiosen Shannon River entlang, verließen dann die Hauptstraße und verschwanden immer mehr im grünen, irischen Dickicht. Fast kam man sich vor, wie im Urwald. Immer weiter schlängelten wir uns ins Hinterland hinein, fragten uns langsam, wo der gute Bertie uns wohl hinbringen würde, als der Weg in ein parkähnliches Anwesen mündete, das einem vorkam, wie aus einem vergangenen Jahrhundert. Wir waren am Ziel, oder besser Ausgangspunkt, unseres Wanderritts angekommen, dem An Sibin Riding Center in Whitegate, Clare County. Ja ja, und hier endlich die Fotos, ich weiß, ich weiß.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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10 Gedanken zu „180 km auf dem Pferderücken durch Irland, Teil 1

  1. Hübsch herausgeputzt haben sie das. Und stimmt ja garnicht, dass alles grün ist, ist doch auch ein bisschen rot und so dabei ;p
    Ich fand damals ® gerade so charmant, dass man auf dem Land zwar oft alles ein wenig herausgeputzt hat aber eben doch nicht so GANZ ordentlich sondern immer nur „fast“, und dass es überall immer wieder Stellen gab, wo man den Dingen einfach mal ihren Lauf ließ. Und die sagenhafte Gelassenheit der Leute, wobei ich natürlich gern wüsste, ob sie die nach ihrer Zeit in der EU immer noch so haben😉

    • Hi Karl, danke für deinen Kommentar. Ja, da hast du Recht, mit dem Halb-Herausputzen, so habe ich das auch gesehen. Das macht den Charme aus! Unser Farmhaus war ganz BESONDERS nett herausgeputzt, muss ich sagen. Und ja, die Iren sind immer noch ziemlich gelassen, aber auf die EU definitiv nicht gut zu sprechen….

  2. Huh…ist das hübsch!

  3. Im Westen Irlands klingt auch das Englisch wie Gälisch, man muß echt lauschen wie ein Luchs und sich erst in die Sprachmelodie einhören – sonst versteht man gar nix. *weise nick*
    Mit eurer Unterkunft habt ihr es aber wirklich ganz phantastisch getroffen, wunderschön anzuschauen!

    Liebe Grüße von Christina

  4. besonders gut gefällt mir die grüne gießkanne… die steht da so dekorativ vor dem ’stillleben mit bank‘ herum ;)… TOLL, dass du wieder zurück bist und reiseberichtest!

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